Kommentar: Die Kölner Friedensdemo zeigt die Macht der großen Islamverbände

Deutlich weniger Menschen als erwartet kamen, doch die Demo war keine Niederlage.

Auch wenn es nur 1000 Menschen waren, die beim Friedensmarsch der Muslime in Köln auf die Straße gingen, um gegen Terror und Gewalt zu demonstrieren – diese von der Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor organisierte Demonstration war keine Niederlage. Schon deshalb nicht, weil sie gezeigt hat, wie schwierig, ja nahezu unmöglich es ist, der Macht und dem Einfluss der großen islamischen Verbände in Deutschland einen unabhängigen liberalen Islam entgegenzustellen. Das ist eine wichtige Erkenntnis.

„Nicht mit uns.“ Die Ditib hat, nachdem sie durch ihren Generalsekretär Bekir Alboga zunächst Zustimmung signalisierte, mit ihrer radikalen Verweigerungshaltung das Motto der Veranstaltung ins Gegenteil verkehrt. Hätte der von Ankara gesteuerte größte Islamverband in Deutschland wenigstens geschwiegen.

Aber nein. Er hat sich explizit gegen den Friedensmarsch gestellt, dessen Organisatoren diskreditiert, ihnen „mediale und politische Effekthascherei“ vorgeworfen, muslimische Anti-Terror-Demos als Stigmatisierung bezeichnet, von Schuldzuweisungen gesprochen.

Die Bezeichnung islamistischer Terrorismus diffamiert keine Muslime. Den Teilnehmern von Köln ging es darum, dass die muslimische Zivilgesellschaft ein Zeichen gegen den Missbrauch ihrer Religion durch Terroristen setzt.

Die Botschaft der Ditib ist angekommen

Man brauche keine Verbände, um verbunden zu sein. Dieser Satz des türkischen Kabarettisten Fatih Çevikkollu klingt verdammt optimistisch. Dass Köln die Keimzelle einer neuen unabhängigen Bewegung werden kann, die Muslime im gemeinsamen Kampf gegen den Terror hinter sich vereint, ist wenig wahrscheinlich, selbst wenn es in den kommenden Wochen weitere Demonstrationen in Berlin, Hamburg, Hannover, Stuttgart und Oldenburg geben soll.

Die Botschaft der Ditib jedoch ist angekommen. Bleibt Zuhause. Die schweigende Mehrheit blieb Zuhause. Mit dieser Haltung hat sich die Ditib, die in Köln gerade ihre neue Moschee eröffnet hat, einmal mehr ins Abseits gestellt. Sie formuliert den Anspruch, als Religionsgemeinschaft Millionen Muslime in Deutschland zu vertreten, ist aber schon aus strukturellen Gründen nicht in der Lage, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, weil ihr die Unabhängigkeit von der Türkei fehlt.

Immerhin: Die wenigen Demonstranten, die nach Köln gekommen sind, haben das aus freien Stücken getan, nicht stramm durchorganisiert wie jene 40.000, die im Juli 2016 nach dem Putschversuch in der Türkei für den türkischen Staatschef Recep Erdogan in Köln auf die Straße gingen....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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