"Wir sind nicht leprakrank, wir sind nicht eklig": Drag Queens appellieren an "Shopping Queen"-Zuschauer

Bettina Friemel

Nach außen hin sind sie bunt und schrill und sorgen für beste Unterhaltung, doch Drag Queens haben hinter der Fassade auch eine ernste Seite. Guido Maria Kretschmer vereinte beides in seiner Spezial-Ausgabe von "Shopping Queen" zur besten Sendezeit am Sonntagabend bei VOX.

In dieser Spezial-Ausgabe von Guido Maria Kretschmers Shopping-Show ging es nicht darum, durch die Modeboutiquen zu hetzen und irgendeinen Fummel von der Stange zu kaufen. Diesmal ging es um kunterbunte Unterhaltung - aber noch viel mehr um vier liebenswerte Persönlichkeiten, die von der Gesellschaft nicht immer akzeptiert werden. "Toleranz, das ist das, was Gesellschaft braucht", betonte der Designer seine Message. "Es ist doch schön, wenn die Welt ein bisschen bunt ist."

Jede der vier schillernden Drag Queens mit den kreativen Namen Absinthia Absolut, Barbie Breakout, Pam Pengco und Stella deStroy hatte privat ihr Päckchen zu tragen, sobald die Scheinwerfer ausgingen. Tägliche Beschimpfungen, krankenhausreif geprügelt, verstoßen von der Familie, HIV-positiv - und trotzdem würden sie nie die Freude verlieren, sich aufzubrezeln und die beste Show der Welt zu liefern. In der illustren Runde der bunten Paradiesvögel wurde deshalb viel gequasselt, eine Spitzzüngigkeit jagte die nächste, Entertainment at its best!

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Passend zum Motto "Drag around the world" sollte in fünf Stunden ein Look inspiriert von den schillerndsten Metropolen der Welt kreiert werden Zeit. Budget: 500 Euro und eine Perücke. Für Pam Pengco, die sich bei DSDS offiziell als Drag outete, hieß es: Viva Las Vegas! Shopping-Begleitung Julia, selbst weibliche Drag, stellte eine nicht unwichtige Frage: "Musst du Titten anziehn?" Ein Problem, das handelsübliche "Shopping Queen"-Teilnehmerinnen eher nicht haben. Ihre Brüste lagerte Pam übrigens zu Hause unterm Bett im Schuhkarton.

"Ich hab mir vor laufender Kamera den Mund zugenäht"

In einer Berliner Burlesque-Bar kam es für jede Künstlerin zum Showdown. Pam sang im schwarzen Pailletten-Anzug mit Brüsten im lasziven BH "The Winner Takes It All". "Dein Nippel schaut ein bisschen raus", bemerkte Absinthia Absolut, die anschließend mit Candy Crash, bekannt aus der ProSieben-Show "Queen of Drags", auf die Suche nach dem perfekten London-Look ging. Vivienne Westwood ließ grüßen im punkigen Tüllkleid und Leder-Overknees, mit denen Absinthia über die Bühne rockte.

An Tag drei hatten sich alle vier Drags bereits sehr lieb. "Du garstiges Stück Sch..., du gehst jetz mal schön shoppen", schickte Barbie Breakout die nächste Kandidatin Stella deStroy in den pinken Shopping-Bus. Als Snack zwischendurch gabs Mettbrötchen mit viel Zwiebel, bevor der halbe Bastelladen leergekauft wurde, um das Tokio-Keypiece Manga-Jacke mit mächtig Tüll und Fransen zu pimpen. Das DIY-Outfit kam gut an. "Du geile Maus, du", klatschte Barbie entzückt, bevor sie selbst dran war.

"Sie hat Leuten wie uns den Weg geebnet", zollte Pam Pengco Barbie Breakout größten Respekt. 2013 machte die Aktivistin auf das Anti-Homo-Gesetz aufmerksam: "Ich hab mir im Juli 2013 vor laufender Kamera den Mund zugenäht." Damit wollte sie zeigen, "dass die Stimme, die wir haben, dass wir die nutzen müssen und dass die uns nicht genommen werden darf."

Guido Maria Kretschmer: "Das hatten wir noch nie bei 'Shopping Queen!'"

Da wurde die fröhliche Prosecco-Runde ernst und begann zu diskutieren. "Wir hören so oft: Warum gibt's denn in Deutschland noch einen CSD? Ja, wie oft werden denn noch Leute wie wir in Deutschland zusammengeschlagen und trauen sich nicht alleine raus?", redete sich Pam in Rage. "Schon alleine, wenn man Händchen haltend als gleichgeschlechtliches Paar über die Straße geht. Das ist nicht einfach", stimmte Stella deStroy zu. "Ich versteh nicht, wie man was dagegen haben kann, dass zwei Leute miteinander glücklich sind", hoffte Pam auf mehr Akzeptanz.

"Wir sind nicht Seucher, wir sind nicht leprakrank, wir sind nicht eklig", richtete Barbie Breakout klare Worte an die Zuschauer. Trotz allem ging ihr der Humor nicht verloren, weswegen sie sich von Kostümdesignerin Isabelle eine Pailletten-Robe mit Body und Cape zum Thema New York anfertigen ließ. Guido Maria Kretschmer war sprachlos: "Das hatten wir noch nie bei 'Shopping Queen', dass einer Stoff gekauft hat und sich hat was nähen lassen in der Zeit!"

Guido Maria Kretschmer gerührt: "Daran können sich viele Menschen ein Beispiel nehmen"

"Was sagt ihr zu meinem Outfit, ihr Nutten?", eruierte Barbie die Stimmung im Saal, nachdem sie mit sexy Schaumstoffrundungen am Po "I Will Survive" gelipsynct hatte. "Ich will dich häuten", drückte Pam ihre Verehrung aus. "Meine Brüste sind neidisch auf ihren Ar..." So was nennt man wohl Ersatzteilneid.

Guido Maria Kretschmer war am Ende ganz gerührt von den tollen Persönlichkeiten: "Es is so wertvoll, wenn jemand so ehrlich und aufrichtig ist, und daran können sich viele Menschen ein Beispiel nehmen." Dass Stella deStroy 3.000 Euro für einen guten Zweck gewann, war bei der Runde völlig egal. Hier ging es um etwas ganz anderes: sich zu zeigen und für mehr Toleranz zu werben.

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