Politik-Urgestein Gregor Gysi wird 75 Jahre alt

Als charismatischer Redner hat sich der Linken-Politiker Gregor Gysi einen Namen gemacht. (Bild: imago/ari)
Als charismatischer Redner hat sich der Linken-Politiker Gregor Gysi einen Namen gemacht. (Bild: imago/ari)

Das Linken-Urgestein Gregor Gysi (75) ist wohl noch nie einer unbequemen Debatte aus dem Weg gegangen. Weder im Bundestag, noch in Talkshows oder auf YouTube scheut der gebürtige Berliner die verbale Konfrontation. Nun feiert Gysi, der parteiübergreifend respektiert wird, seinen 75. Geburtstag. Dabei wurde er angesichts seiner SED-Vergangenheit immer wieder auch kritisch beäugt.

Gregor Gysi, der Wende-Begleiter

Gregor Gysi wurde am 16. Januar 1948 in Berlin geboren. Sein Vater Klaus Gysi (1912-1999) war in der DDR Kultusminister. Entsprechend genossen der junge Gregor und seine Schwester Gabriele (76) wohl ein vergleichsweise privilegiertes Leben in Ostberlin. 1966 schloss er parallel zum Abitur seine Ausbildung zum Facharbeiter für Rinderzucht ab.

Als er der SED 1967 beitrat, ahnte der Jura-Student vielleicht noch nicht, dass er der Partei einmal vorstehen würde. Doch der charismatische Redner setzte sich 1989 bürgernah für Reformen ein und wurde noch im gleichen Jahr zum letzten SED-Chef gewählt.

Gysi begleitete die Partei auch über die Wiedervereinigung hinaus, stellte sich ihrer Auflösung entgegen. Stattdessen hieß die SED dann PDS und später Die Linke. Der Bundestagsabgeordnete war von 2005 bis 2015 Linksfraktionschef. Und obwohl Gysi heute nicht mehr in vorderster Reihe steht, ist er für viele immer noch das prominenteste Mitglied der Partei. Dabei ist der 75-Jährige noch viel mehr als nur Politiker.

"Vier Berufe sind genug"

In der Sendung "Jung und Naiv" verriet Gysi 2021, dass er immer noch vier Berufe ausübt: "Ich bin Politiker, ich bin Rechtsanwalt, ich bin Autor und ich bin Moderator. Das reicht."

Als Rechtsanwalt ist Gysi seit 1971 tätig, in der DDR vertrat er auch Regimekritiker. Noch heute agiert er als Rechtsbeistand. 2022 vertrat er etwa einige Vertreter der Gruppe Letzte Generation, die wegen ihrer umstrittenen Proteste vor Gericht standen.

Als Autor schrieb er mehrere Werke über die DDR, aber auch die Geschichte seiner Partei im Speziellen. Auch "Ein Leben ist zu wenig. Die Autobiographie." war dabei, in der er 2017 bereits sein bisheriges, turbulentes Leben Revue passieren ließ.

Durch die Talk-Sendung "Missverstehen Sie mich richtig" führt Gregor Gysi regelmäßig als Moderator. In der Show, die vom Berliner Tränenpalast seit 2016 produziert wird, spricht er etwa mit Größen aus der Welt der Medien, der Kultur oder der Politik. Dabei hält er sich vornehmlich im Hintergrund, macht hin und wieder pointierte Bemerkungen und stellt kluge Zwischenfragen. Zu den prominenten Gästen gehörten unter anderem CDU-Politiker Wolfgang Schäuble (80), Moderator Markus Lanz (53) oder Komiker Kurt Krömer (48).

Im RBB-Talk "Chez Krömer" sagte Gysi im März, er sei gerne Moderator, "weil ich neugierig auf Leute bin". Er wolle wissen, "wieso sie so geworden sind, wie sie sind".

Kritik an Gysi

Unter anderem wegen seiner SED-Vergangenheit sieht sich Gysi noch heute hartnäckiger Kritik ausgesetzt. Dennoch genießt er parteiübergreifend Respekt, auch weil er immer den Dialog sucht und seine Gegenüber verstehen will.

Noch immer kämpft Gysi für Die Linke, auch mit 75 Jahren. Selbst mehrere Herzinfarkte hielten ihn nicht auf. Gysi führt diese auf den Stress und die Anfeindungen gegen ihn als Linken-Politiker zurück. "Hätte ich gewusst, was alles auf mich zukommt, hätte ich im Dezember 1989 Nein sagen sollen, Politiker zu werden", sagte er 2020 der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Dazu ist es jedoch nicht gekommen. Noch immer führt er diesen und seine weiteren Berufe mit Herz und Seele aus.