Schauspieler und Autorenfilmer: Christian Doermer ist tot

Mit der Unterzeichnung des Oberhausener Manifests beerdigte er "Papas Kino" und begründete den Neuen Deutschen Film. Über viele Jahrzehnte prägte er das deutsche Kino und das deutsche Fernsehen mit. Nun verstarb Regisseur und Schauspieler Christian Doermer mit 87 Jahren.

Er prägte er das deutsche Kino und das deutsche Fernsehen: Regisseur und Schauspieler Christian Doermer ist tot. (Bild: Simon Hofer / Kurzfilmtage Oberhausen)
Er prägte er das deutsche Kino und das deutsche Fernsehen: Regisseur und Schauspieler Christian Doermer ist tot. (Bild: Simon Hofer / Kurzfilmtage Oberhausen)

Er gehörte als einziger Schauspieler zu den 26 Unterzeichnern des Oberhausener Manifests - und legte so den Grundstein für den Neuen Deutschen Film: Wie nun bekannt wurde, ist der Schauspieler, Regisseur, Produzent und Drehbuchautor Christian Doermer bereits vergangene Woche im Alter von 87 Jahren verstorben.

Bereits bevor er seine Unterschrift unter das Oberhausener Manifest setzte, war Doermer in populären Jugendfilmen wie "Die Halbstarken" (1956), "Die Frühreifen" (1958) oder "Alle Wege führen heim" (1958) zu sehen. Für seine Leistung in "Flucht nach Berlin" (1960) - Doermer verkörperte einen enttäuschten jungen SED-Funktionär, den es nach West-Berlin zieht - erhielt er 1961 das Filmband in Gold als bester Nachwuchsschauspieler.

Die Bedeutung des Oberhausener Manifests begründete den Filmstil des sogenannten Neuen Deutschen Films. Die Erklärung wurde im Februar 1962 anlässlich der 8. Westdeutschen Kurzfilmtage Oberhausen abgegeben. Titel der Pressekonferenz: "Papas Kino ist tot". 20 Jahre nach der Veröffentlichung erhielt Christian Doermer sowie weitere seiner Mitstreiter erneut das Filmband in Gold, diesmal jedoch für "langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film".

Von Interkulturalität und Philosophie

In deutschen Autorenfilmen übernahm er wichtige Rollen. Neben seiner Karriere vor der Kamera begann er bereits in den 60er-Jahren mit seiner Firma Cine Dokument mit der Produktion und Inszenierung eigener Filme und trat so selbst als Autorenfilmer in Erscheinung. Spiel- und Dokumentarfilme waren sein Spezialgebiet, als wiederkehrendes Thema seiner Werke gelten interkulturelle Probleme. Beispielsweise thematisierte er im Film "Du" (1975) die Beziehung zwischen einem in Thailand lebenden Deutschen und einer Hausangestellten.

Immer wieder setzte sich der Filmemacher auch mit der Philosophie auseinander. Folgerichtig drehte er 1979 einen Zweiteiler über das Leben - und die Theorien - des großen Denkers Friedrich Nietzsche. Doermer blieb bis in die 2000er-Jahre hinein aktiv und war unter anderem in "Tatort", "Ein Fall für zwei" und dem Fernsehfilm "Stauffenberg" (2004) zu sehen. Er übernahm Rollen in Fernseh- und Kinofilmen und produzierte zudem Fernsehbeiträge.

Neben seiner Film- und Fernsehtätigkeit moderierte Doermer auch das Kulturprogramm Funkturm beim Radiosender Charivari Rosenheim. Er erblickte 1935 in Rostock das Licht der Welt, wuchs jedoch in verschiedenen europäischen Städten auf und studierte später Volkswirtschaft und Soziologie. 2010 verstarb seine Ehefrau, die Schriftstellerin Lore Schmidt-Polex, mit der er seit 1961 verheiratet war, Doermer war Vater von drei Kindern.

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