Tachomanipulation: So erkennen Sie die Betrugsmasche

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Der Tachometer lässt sich mit entsprechender Technik leicht manipulieren. Wie gehen die Betrüger vor und wie können Sie ihre Masche erkennen?

Digital car odometer in dashboard. Used vehicle with mileage meter. Numbers in kilometers.
Tachometer lassen sich leicht manipulieren. Das tun Betrüger denn auch im großen Stil. (Symbolbild: Getty Images)

Mit Autos haben Betrüger oft ein leichtes Spiel, um an das Geld ihrer Opfer zu gelangen. Ein Mittel zum Zweck ist die Manipulation des Tachometers. Sie fälschen die Kilometeranzeige und verkaufen die Fahrzeuge deutlich über Wert. Doch wie gehen die Kriminellen vor und was können Sie als Verbraucher tun?

Wie der Verkehrsclub ADAC unter Berufung auf Polizeiangaben berichtet, werde an jedem dritten hierzulande verkauften Gebrauchtwagen der Kilometerzähler manipuliert. Bei einer Wertsteigerung von durchschnittlich 3.000 Euro pro Auto ergibt das einen beträchtlichen jährlichen Gesamtschaden: rund sechs Milliarden Euro.

Dabei handeln die Kriminellen trotz bestehenden Gesetzes. Laut der EU-Verordnung 2017/1151 müssen Fahrzeughersteller "Maßnahmen" ergreifen, um "einen unbefugten Eingriff" oder eine "Veränderung am Emissionsüberwachungsrechner und dem Kilometerzähler..." zu verhindern.

Milliardenbetrug trotz EU-Verordnung

Ausgebremst werden die Betrüger mit dem Gesetz allerdings nicht. Auch weil die seit September 2017 für neue Fahrzeugmodelle und seit September 2018 für alle Neuwagen geltende Verordnung offenbar noch nicht greift, wie ADAC anhand dreier Stichproben herausgefunden hat.

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Demnach ließ sich beim Ford Kuga von 2019, dem Peugeot 208 aus demselben Jahr und beim Opel Grandland X von 2020 der Kilometerstand schon "nach wenigen Minuten" manipulieren. Weiter fanden der Automobilclub heraus: Für mehr als 170 Fahrzeuge ab 2019 finden sich in den entsprechenden Manipulationsgeräten "passende Menüpunkte".

Womit zur Gerätschaft der Betrüger übergeleitet ist. Die verwendeten, so der ADAC, "handliche, leicht bedienbare" Geräte", die schon ab 150 Euro erhältlich seien, legal. Aber auch mit so genannten Kilometerfiltern, durch die nur ein Teil der tatsächlich gefahrenen Kilometer gezählt werden, würden sie die Tachometer manipulieren.

Was können Sie tun?

Wenn der Gesetzgeber die Machenschaften schon nicht stoppen kann, so können die Verbraucher sie immerhin entdecken. Es gilt vor allem, so der Verkehrsclub, auf "Unstimmigkeiten" zu achten – wie etwa die zwischen dem Kilometerstand und der Angabe auf dem Ölwechsel-Aufkleber.

Dazu ADAC: "Wenn also ein Auto angeblich erst 100.000 Kilometer auf der Uhr hat und der nächste Ölwechsel bei 180.000 Kilometern fällig ist, stimmt etwas nicht." Warum? Weil Ölwechsel alle 40.000 Kilometer fällig sind.

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Aber auch eine Kontaktaufnahme mit dem Vorbesitzer kann helfen, einen Betrug zu erkennen. Der wird Ihnen nicht nur Auskunft geben können, mit welchem Kilometerstand er das Auto verkauft hatte. Sie können ihn auch fragen, unter welchen Bedingungen er das Fahrzeug betrieben hatte.

War der Vorbesitzer, zum Beispiel, vor allem auf "verschleißfördernden" (ADAC) Kurzstrecken unterwegs, dann sollten Sie dem Zähler, der weniger Kilometer anzeigt, als das angesichts des Fahrzeugzustands gerechtfertigt wäre, misstrauen.

Schutzmaßnahmen von Herstellern und Politik

Ein Trost ist auch: Einige Autobauer haben den Ernst der Lage erkannt und entsprechende Schutzmaßnahmen ergriffen. Volkswagen und Audi setzen eigenen Angaben zufolge Computerchips mit HSM (Hardware Secure Module) ein. VW will ab 2023 zusätzlich eine Technik gegen Kilometerfilter einführen.

Außerdem könnte das Problem mit einer freilich noch nicht umgesetzten Methode gelöst werden. Eine SIM-Karte, die in fast allen Neuwagen verbaut ist, könnte Daten wie den Kilometerstand nicht nur an den Hersteller übertragen, sondern auch an eine entsprechende Behörde. Immerhin: Laut ADAC gibt es vonseiten der EU-Kommission Überlegungen in diese Richtung.

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