Wetter mit Klima verwechselt: Trump wünscht sich globale Erwärmung während Schneesturm

Präsident Trump spricht am Samstag mit Reportern auf der Südwiese des Weißen Hauses. (Foto: Pete Marovich / Getty Images)

US-Präsident Donald Trump hat am vergangenen Sonntag erneut die Erderwärmung angezweifelt und über die Klimaforschung gespottet. 

Auf Twitter ließ Trump sich über den Schneesturm aus, der im Mittleren Westen der USA wütete und am Sonntag in Richtung Neuengland weiterzog. Trumps Meinung nach, sind die Schneemassen ein Beweis dafür, dass der menschengemachte Klimawandel eine Lüge sei.

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“Seien Sie vorsichtig und versuchen Sie, in Ihren Häusern zu bleiben. Weite Teile des Landes leiden unter ungeheuren Schneemengen und rekordverdächtiger Kälte”, twitterte Trump. “Wäre gar nicht schlecht, jetzt etwas von dieser guten, altmodischen Klimaerwärmung zu haben!”, so Trump weiter.


Skeptiker weisen oft auf Schneefall und niedrige Temperaturen als Beweis dafür hin, dass der Klimawandel nicht real und sogar frei erfunden sei. Allerdings: Bei dieser Argumentation wird Wetter mit Klima verwechselt.

Ein Home Run auf Steroiden

David Kanter ist Professor der Umweltwissenschaften an der New York University und befasst sich mit dem Klimawandel. Er erklärt, dass Wetter der tagesaktuelle Zustand der Atmosphäre ist – also das, was jemand draußen in seiner unmittelbaren Umgebung fühlt und erlebt. Wetter wird monatlich oder sogar minütlich gemessen. Klima ist laut Kanter der Wetter-Durchschnitt in einer Zeitspanne von Jahrzehnten bis hin zu Jahrhunderten.

Um diesen Unterschied zu erklären, bittet Kanter seine Studenten manchmal, sich einen Baseballspieler vorzustellen, der Steroide verwendet. Könnte jemand vorhersagen, ob dieser Ballspieler durch die leistungssteigernden Drogen während eines bestimmten Spiels einen Home Run erzielen wird?

Carter Martin schaufelt am Sonntag einen Bürgersteig vor dem Maplefields-Store und der zugehörigen Tankstelle in Plainfield, Vermont, frei (Foto: Lisa Rathke / AP)

“Nein, man betrachtet kein spezifisches Spiel. Man sieht sich seinen Durchschnitt während der gesamten Saison an und vergleicht ihn mit dem eines ähnlichen Spielers, der keine Steroide nimmt”, so Kanter gegenüber Yahoo News. “Man könnte also sagen, dass der Spieler im Laufe einer Saison mehr Home Runs erzielt, aber bei einem bestimmten Spiel können wir uns nicht hundertprozentig sicher sein. Wir können nur Aussagen im Bezug auf Wahrscheinlichkeiten machen.”

Trump ist wankelmütig

Im Laufe der Jahre schwankte Trumps Meinung zum Klimawandel: Zunächst leugnete er ihn komplett, nun scheint er “nur” skeptisch zu sein. Er hat das Phänomen einen von den Chinesen erfundenen Schwindel genannt, um die USA in der Fertigung weniger wettbewerbsfähig zu machen. Als er im vergangenen Oktober bei “60 Minutes” gebeten wurde, solche skurrilen Behauptungen zu begründen, nahm Trump zwar Abstand von der “Schwindel”-Behauptung, weigerte sich aber nach wie vor, einen menschlichen Einfluss auf den Klimawandel oder seine Folgen für den Planeten anzuerkennen.

“Ich denke, dass etwas passiert. Etwas verändert sich. Es wird sich wieder zurück verändern. Ich glaube nicht, dass es ein Schwindel ist. Ich denke, es gibt wahrscheinlich einen Unterschied. Aber ich weiß nicht, ob er von Menschen verursacht wird. Ich sage nur eins, ich möchte keine Billionen und Aberbillionen Dollar dafür ausgeben. Ich möchte nicht Millionen von Arbeitsplätzen verlieren. Ich möchte nicht im Nachteil sein.”

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Trump mutmaßte auch, dass “niemand wirklich weiß”, ob der Klimawandel echt ist – was nicht der Wahrheit entspricht. Die große Mehrheit wissenschaftlicher Organisationen hat öffentliche Erklärungen abgegeben, in denen sie bekräftigen, dass sich das Klima im letzten Jahrhundert infolge menschlicher Aktivitäten erheblich erwärmt hat und dass dies ein großes Problem darstellt.

Die American Geophysical Union hat beispielsweise gesagt: “Der vom Menschen verursachte Klimawandel erfordert dringende Maßnahmen. Die Menschheit ist der wichtigste Einfluss auf den globalen Klimawandel der letzten 50 Jahre. Schnelle, gesellschaftliche Reaktionen können negative Auswirkungen erheblich mindern.”

Aufgrund des aktuellen Sturmtiefs hat der Nationale Wetterdienst Wintersturm-Warnungen für mindestens 15 Bundesstaaten von Missouri bis Maine herausgegeben.

Michael Walsh

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