Markus Lanz erzählt von Erlebnis, das sein Russen-Bild prägte: "Es war völlig irre!"

Eine Nordpolexpedition prägte das Russen-Bild von Markus Lanz nachhaltig, wie er im aktuellen "Lanz & Precht"-Podcast berichtet. (Bild: ZDF / Christian Bruch)
Eine Nordpolexpedition prägte das Russen-Bild von Markus Lanz nachhaltig, wie er im aktuellen "Lanz & Precht"-Podcast berichtet. (Bild: ZDF / Christian Bruch)

Am Nordpol erlebte Markus Lanz das "schönste Besäufnis meines Lebens". Warum er dabei Russen als "warmherzige, zuverlässige und nette Menschen" kennengelernt hat, berichtete der ZDF-Talker im gemeinsamen Podcast mit Richard David Precht. Thema der Ausgabe: (fehlender) Pioniergeist.

Ein Zeitungsinterview mit dem deutschen Astronauten Ulrich Walter inspirierte Markus Lanz und Richard David Precht zum neuen Thema ihres gemeinsamen ZDF-Podcasts "Lanz & Precht". Walter hatte unlängst beklagt, Deutschland habe seinen Pioniergeist verloren.

Zum Beleg nannte Lanz eingangs des aktuellen Zwiegesprächs eine alarmierende Kennziffer. Die Zahl der deutschen Patentanmeldungen war zuletzt rückläufig - "gleichzeitig in China: 23 Prozent plus". Precht wies darauf hin, dass man in absoluten Zahlen weiterhin die Nummer zwei in der Welt hinter den USA sei, die Tendenz aber Anlass zur Sorge gebe: "Wir schwächeln, und die Chinesen holen auf."

Markus Lanz machte neben seiner Nordpolexpedition auch eine zum Südpol, die er 2010/2011 filmisch begleiten ließ. (Bild: ZDF / Sarah Fischer)
Markus Lanz machte neben seiner Nordpolexpedition auch eine zum Südpol, die er 2010/2011 filmisch begleiten ließ. (Bild: ZDF / Sarah Fischer)

Precht: Deutschlands Sporthelden sind "aufgelöst und zertrümmert"

Während ZDF-Talker Lanz das provokante Stichwort der "Vollkaskogesellschaft" einwarf, spiegelte der Philosoph Precht den mangelnden Pioniergeist am Tatbestand einer "postheroischen Gesellschaft". "Wir haben sowieso nicht mehr viele Helden", konstatierte der Bestsellerautor. "Wer ist denn ein deutscher Held, der nicht von den Medien inzwischen auseinandergenommen wäre?"

Lanz fiel der deutsche Trainer des FC Liverpool ein, was sein Gegenüber gelten ließ: "Jürgen Klopp ist wahrscheinlich der größte lebende deutsche Held." Ansonsten seien von Boris Becker über Jan Ullrich bis Franz Beckenbauer Deutschlands Sporthelden allesamt "aufgelöst und zertrümmert". Und "Pionierhelden haben wir eigentlich gar keine".

In ihrer aktuellen Podcast-Ausgabe sprechen Richard David Precht (links) und Markus Lanz über das Thema Pioniergeist.  (Bild: ZDF / Christian Bruch)
In ihrer aktuellen Podcast-Ausgabe sprechen Richard David Precht (links) und Markus Lanz über das Thema Pioniergeist. (Bild: ZDF / Christian Bruch)

Precht: "Pioniere werden in hungrigen Gesellschaften geboren, wir sind aber keine"

Der Grund dafür laut Precht: "Pioniere werden in hungrigen Gesellschaften geboren, wir sind aber keine besonders hungrige Gesellschaft, und es ist ziemlich schwierig, sie künstlich wieder hungrig zu machen, sie quasi auf Diät zu setzen." Als historisches Beispiel nannte er den "verkrachten" und bekanntlich unfreiwilligen Amerikaentdecker Kolumbus. Der hätte durch seine Überfahrt "nur zu gewinnen und nichts zu verlieren" gehabt - typisch für den Typus des Entdeckers früherer Zeiten.

Über die tragischen Pionierschicksale des CureVac-Gründers Ingmar Hoerr, des Arztes Ignaz Semmelweis und des Polarforschers Robert Falcon Scott kam man darauf zu sprechen, dass Markus Lanz vor einigen Jahren selbst mit zwei befreundeten Abenteurern zu Fuß und "auf eigene Faust" zu einer Nordpolexpedition aufgebrochen war.

Per GPS habe man das Ziel an Ostern erreicht, ein Zelt aufgeschlagen und sei dann auf einer immer kleiner werdenden Eisscholle (Folge des Klimawandels) Richtung Grönland abgetrieben worden. Man habe in dieser Zeit auf eine russische Expedition gewartet, die man habe treffen wollen. "Irgendwann kam der Anruf: Ihr müsst abbauen." Die andere Expedition sei nun am Nordpol angelangt.

Lanz: "Das ist einer der Gründe, warum ich die Russen so gerne mag"

Lanz und seine Begleiter hätten sich daraufhin in deren Richtung aufgemacht. "Es war völlig irre", erinnerte sich der gebürtige Südtiroler im Podcast an das für ihn prägende Erlebnis. Es sei ihm vorgekommen "wie so eine 'Moonraker'-Szene bei James Bond. Irgendwann sahen wir kleine schwarze Männchen in diesem weißen, weiten Nichts. Das war unvorstellbar."

Noch fassungsloser habe ihn gemacht, dass die Russen zur Feier ihrer Ankunft Leuchtraketen abfeuerten. Er habe nicht verstehen können, warum man freiwillig dieses Zusatzgewicht zum Pol schleppe. Als er sich der Gruppe weiter näherte, habe er entgeistert wahrgenommen, wie die Russen - "einige hatten nichts mehr am Leib" - "sehr feuchtfröhlich, sehr betrunken um Zelte tanzten. Das war sehr lustig." Lanz sprach gar vom "schönsten Besäufnis meines Lebens".

Auf Prechts Rückfrage "Hast du da mitgemacht?" entgegnete der Talk-Moderator: "Ich bitte dich! Wenn man schon mal Nordpol ist ..." Die Erfahrung sei rückblickend auch "einer der Gründe, warum ich die Russen so gerne mag", erklärte Lanz. "Deswegen finde ich es auch so tragisch, was mit diesem Land gerade passiert." Er habe Russen "als wahnsinnig warmherzige, sehr zuverlässige und nette Menschen kennengelernt".