"Markus Lanz": Wie Haustiere leiden und Politikerin Kipping ihre Wut abbaut

Mila Lemke
Freie Autorin
Katja Kipping über den Rückzug ihrer politischen Rivalin Sahra Wagenknecht: “So eine Entscheidung trifft man nicht leichtfertig.” (Foto: Screenshot ZDF)

Ein Rottweiler mit Schrumpfhoden und eine Bulldoggen-Rasse, deren Augen ausfallen können. Bei Markus Lanz klärt ein Tierpathologe auf: Viele Haustiere leiden. Zudem äußert sich Katja Kipping zum Rückzug ihrer Parteirivalin Sahra Wagenknecht.

Jeder Mensch findet einen anderen Weg, um Aggressionen abzubauen. Katja Kippings Methode ist: Springen. Im Wohnzimmer der Parteivorsitzenden der Linken steht ein “rückendschonendes und seniorenfreundliches” Trampolin – gegen politischen Frust. Ob die Sprünge nach dem Rückzug von Sahra Wagenknecht aus der Fraktionsspitze weniger werden?

Hintergrund: Wagenknecht bei “Anne Will”: Innerlich ausgebrannt

Ihre innerparteiliche Rivalin hat vergangene Woche verkündet, aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zur Wahl der Fraktionschefin antreten zu wollen. Wagenknecht sei innerlich ausgebrannt. Für Kipping kam das unerwartet: “Die erste Sekunde war: Stimmt das überhaupt?” Sie überprüfte den Absender der E-Mail. “Mich hat es total überrascht.” Kipping findet: “So eine Entscheidung trifft man nicht leichtfertig.”

Politologin: Fehlende Chemie zwischen Kipping und Wagenknecht

Kippings Ansicht nach, ist Wagenknechts Entscheidung ein “Einschnitt” in die Partei. Einen Riss durch “Die Linke” gab es schon lange. Auch vor laufenden Kameras blieben die Dispute zwischen Sahra Wagenknecht und der Parteispitze nicht verborgen. Journalistin Kristina Dunz meint, dass es innerparteiliche Absprachen gab, Wagenknecht auf sanfte Art von der Spitze zu drängen. Als stellvertretende Leiterin der Berliner Redaktion der “Rheinischen Post” habe sie mitbekommen, wie ein Teil der Führung Sahra Wagenknecht einen Deal vorschlagen wollte – ohne sie zu stürzen. Schließlich sei Wagenknecht das Aushängeschild der Linken.

Lanz legt einen Vorwurf drauf und sagt zu Kipping: “Das Mobbing-Zentrum gegen Frau Wagenknecht sollen unter anderem Sie und Herr Riexinger gewesen sein.” Die Parteivorsitzende machen diese Anschuldigungen wütend: “Ich muss aufpassen, dass ich da nicht zu angefasst reagiere”, sagt sie zwar in ruhigem Ton, aber versucht sich sichtlich zu beherrschen. “Das gemeine an diesem Vorwurf ist, dass es nur eine Handvoll Leute sind, die das verbreiten.”

Hintergrund: Wagenknecht will Mandat behalten und politisch aktiv bleiben

Kipping gibt zu: “Ja, wir hatten eine Kontroverse.” Diese beruhte auf gegensätzlichen Überzeugungen und nicht auf einem “Frauenproblem”, wie so oft von der Presse vorgeworfen. “Wir sind Überzeugungstäterinnen: Wir waren von unserer Position überzeugt – und die war unterschiedlich.” Kipping betont, dass der Konflikt Ende 2018 geklärt und auf einem Papier festgehalten wurde. Politologin und Journalistin Dunz meint, dass die Chemie zwischen beiden Frauen nicht gestimmt habe. “Es passte einfach nicht und es wäre geblieben, auch wenn Frau Wagenknecht sich jetzt nicht zurückgezogen hätte.”

Mehr Nachsicht mit Politikern

Laut Dunz hat sich der Druck auf Spitzenpolitiker in den letzten Jahren “extrem verschlimmert”. Digitale Medien, soziale Netzwerke und Journalisten, die sofortige Erreichbarkeit erwarten, seien Gründe für die Überanstrengung vieler Politiker. “Man braucht eine besonders starke physische und psychische Konstitution und Kondition in diesem Amt.” Sie erwähnt die beiden CDU-Politiker Mike Mohring und Jörg Kastendiek, die an Krebs erkrankt sind und trotzdem Wahlkampf betreiben.

Man erwarte von Politikern, dass sie funktionieren. “Ich finde, dass die Gesellschaft zu hart mit Politikern umgeht und zu wenig Nachsicht hat”, so Dunz. Man müsse sich überlegen, ob man so leben und miteinander umgehen wolle. “Wir alle müssten nachsichtiger werden.”

Als Jugendliche sang Anna Loos in einer Punkband mit dem Namen Leck mich am Arsch – später wollte sie Opernsängerin werden. (Foto: Screenshot ZDF)

Schauspielerin Anna Loos: “Ich bin ein Wossi.”

Zu wenig nachsichtig war auch Schauspielerin Anna Loos bei ihrer Flucht aus der DDR – das gesteht sie bei Markus Lanz. Ohne ihre Familie einzuweihen, ist die damals 17-Jährige über die Havel und Donau geflüchtet. “Ich bin davon ausgegangen, dass ich meine Eltern 20 bis 25 Jahre nicht sehe.” Zu groß war ihr Wunsch, sich im Westen selbst zu verwirklichen. Sie wollte sich nicht einer Arbeit fügen, die von der Regierung vorgegeben war. Denn dort wurden ihr, trotz guter Noten, die Ausbildungen zu Näherin, Krippenerzieherin und Physiotherapeutin nahegelegt.

Hintergrund: Anna Loos vermisst nichts aus der DDR

Loos hatte aber den Wunsch, Opernsängerin zu werden. Erste Gesangserfahrung sammelte sie in einer Punkband namens Leck mich am Arsch. Mit 48 Jahren veröffentlicht sie nun ihr erstes Solo-Album. Mit ihrem Ehemann “Jani”, wie sie Tatort-Schauspieler Jan Josef Liefers nennt, hat sie zwei Kinder. In deren Generation gebe es nicht mehr das Denken in den Kategorien “Ossi” und “Wessi”, was Loos begrüßt. Sie selbst sehe sich als Mix: “Ich würde sagen, ich bin ein Wossi.” Zum Abspannen geht sie übrigens nicht springen, sondern: angeln.

Wir lieben unsere Haustiere zu Tode

Fische landen auch auf Professor Achim Grubers Seziertisch. Der Tierpathologe untersucht von der Mongolischen Wüstenrennmaus bis hin zum Elefanten alle Tiere auf Leidensumstände und Todesursache. Dabei gibt es immer wieder Fälle, die verblüffen – und Alltag sind. Zum Beispiel Herrchen, die ihr Weltbild auf ihre Hunde projizieren und diese vegan oder vegetarisch ernähren. Andere Tierhalter küssen ihre Haustiere – trotz Lippenherpes. Für Hasen und Chinchillas kann das tödlich sein. Gesundheitliche Probleme haben viele gezüchtete Haustiere, wie kurznasige und kurzköpfige Hunde.

Zum Beispiel röchelt die Französische Bulldogge, weil sie kaum Luft bekommt. Jeder zweite kurznasig gezüchtete Hund übergibt sich laut Professor Gruber mehr als zweimal am Tag, weil die Magensäure durch das Röcheln in die Speiseröhre hochzieht und zu einer chronischen Entzündung führt. Zudem reicht bei kurzköpfig gezüchteten Hunden ein Sprung vom Sofa und der Augapfel kann herausfallen, da er von der Augenhöhle nicht richtig umfasst wird. Bereits seit 50 Jahren weisen Wissenschaftler auf die gesundheitlichen Leiden dieser Züchtungen hin – vergebens. “Schönheit liegt im Auge des Betrachters und geht häufig auf Kosten der Gesundheit des Tieres”, sagt Gruber.

Die Runde bei Markus Lanz (v.l.): Linken-Politikerin Katja Kipping, Schauspielerin Anna Loos, Tierpathologe Professor Achim Gruber und Journalistin Kristina Dunz. Foto: Screenshot ZDF

Rottweiler mit Schrumpfhoden

Manchmal sind die Ursachen für Tierleiden nicht offensichtlich. Einmal habe Gruber einen Rottweiler-Rüden untersucht: “Eigentlich ein strammer Bursche.” Doch ihm waren die Haare ausgefallen, der Hoden “ganz klein”. Er hatte kein Interesse an läufigen Hündinnen in der Nachbarschaft. Wie sich herausstellte, lag dies an einer schweren Hormonstörung. Genauer: Eine Östrogenvergiftung, verursacht durch eine Östrogencreme, mit der sich das Herrchen – eine Dame in den Wechseljahren – täglich einschmierte und anschließend mit dem Hund kuschelte. Nach der Diagnose dauerte es wenige Wochen, “da wuchs das Haar gleich wieder, die Hoden wurden prall und er wurde wieder zum Casanova der Nachbarschaft.”

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