Umweltministerin Lemke zum Dürresommer: "Niemand muss das Duschen einstellen"

Die Trinkwasserversorgung in Deutschland ist trotz des Dürresommers gesichert, stellte Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) im "ZDF-Morgenmagazin" klar. (Bild: ZDF)
Die Trinkwasserversorgung in Deutschland ist trotz des Dürresommers gesichert, stellte Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) im "ZDF-Morgenmagazin" klar. (Bild: ZDF)

Hohe Temperaturen, kaum Regen, ausgetrocknete Böden - Wasser ist in diesem Sommer wertvoll wie nie. Im "ZDF-Morgenmagazin" appelierte die Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) an Industrie, Landwirtschaft und private Verbraucher, klug mit dieser Ressource umzugehen.

Regenarme Winter und trockene Sommer: Wasser wird zum knappen Gut in Deutschland, das derzeit unter einer neuerlichen Hitzewelle ächzt. Rufe nach Maßnahmen zum Wassersparen und einer nationalen Wasserstrategie werden laut. Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) stand am Freitag Dunja Hayali im "ZDF-Morgenmagazin" Rede und Antwort zur Problematik.

"Wir arbeiten an dieser nationalen Wasserstrategie und werden sie im Laufe der nächsten Monate vorlegen", kündigte Lemke an. "Was wir aber unabhängig davon begonnen haben, ist ein Aktionsprogramm 'Natürlicher Klimaschutz', mit dem wir Natur so renaturieren wollen, dass sie besser Wasser speichern kann." Dies sei ihrer Meinung nach mittel- bis langfristig die beste Möglichkeit, Wasser in der Natur als Krisenvorsorge zu sichern.

"Weniger duschen, keine Bäume mehr gießen, Autowaschen ist auch passé?", hakte Dunja Hayali nach. "Die Trinkwasser-Versorgung ist in Deutschland selbstverständlich gesichert", stellte die Bundesumweltministerin unmissverständlich klar. Aber in verschiedenen Kommunen und Orten gebe es die Bitte an die Bevölkerung "beispielsweise tagsüber den Garten nicht mehr zu bewässern, sondern nur in den Nachtstunden" und "mit Wasser sparsam umzugehen". Lemke war wichtig, zu betonen, dass sich dieser Appell auch an die Wirtschaft und die Industrie richte. Wasser sei eine "wertvolle Ressource".

Moderatorin Dunja Hayali (rechts) wollte von Steffi Lemke wissen, wie es um die Maßnahmen zum Wassersparen bestellt ist. (Bild: ZDF)
Moderatorin Dunja Hayali (rechts) wollte von Steffi Lemke wissen, wie es um die Maßnahmen zum Wassersparen bestellt ist. (Bild: ZDF)

Keine politische Rationierung

Eine politische Rationierung solle es aber nicht geben. Dennoch gebe es Dürreregionen in Deutschland, so auch in Dessau, wo die Ministerin lebt. "Wir erleben jetzt den nächsten Dürresommer nach 2018 und 2019." Die Grundwasservorräte konnten durch den natürlichen Niederschlag nicht wieder aufgefüllt werden. "Das heißt, hier ist es besonders wichtig, sparsam mit Wasser umzugehen, aber es muss jetzt niemand das Duschen einstellen."

Eine Zielmarke für den Pro-Kopf-Verbrauch von Wasser wollte die Grünen-Politikerin nicht vorgeben. Stattdessen plädierte sie für einen vernünftigen Umgang mit Wasser und die Stärkung der Natur. Vor allem der Boden als natürlicher Wasserspeicher sei "Vorsorge gegen Dürre und gleichzeitig auch Vorsorge gegen Starkregen und Hochwasserereignisse". Sowohl Industrie, Landwirtschaft und private Verbraucher müssten gut mit Wasser wirtschaften.

Kommt ein neues Hilfepaket zur Entlastung?

Ein Jahr nach der großen Flutkatastrophe in NRW und Rheinland-Pfalz sprach Hayali auch das Stichwort Flächenversiegelung an. In den Flutgebieten konnte Wasser teils nicht abfließen. Nun werde beim Wiederaufbau diese Versiegelung wiederhergestellt, stellte Moderatorin Hayali mit Verweis auf Kritik von Klima-Experten fest. Laut Lemke würde die Gesellschaft aktuell lernen, "dass die Folgen der Klimakrise uns in Deutschland, in Mitteleuropa, ganz direkt betreffen". Aber: "Ich werde nicht den Kommunen in Nordrhein-Westfalen oder Rheinland-Pfalz, die von dieser Hochwasser-Katastrophe wirklich schlimm getroffen sind, jetzt aus Dessau oder aus Berlin Ratschläge geben, wie sie ihre Bauleitpläne entwickeln müssen."

Diese Entscheidung müsse vor Ort getroffen werden. Erst gestern sei die Bundesumweltministerin im Ahrtal gewesen. "Ich bin gewiss, dass überall verstanden wurde, dass wir uns an die Klimakrise anpassen müssen."

Und wie sieht es mit Entlastungen der Bürgerinnen und Bürger angesichts rapide steigender Energiepreise aus? Laut ZDF-Polit-Barometer stimmten nur 20 Prozent der Aussage "Die Maßnahmen der Bundesregierung zur Entlastung der Bürger sind ausreichend" zu. "Nicht ausreichend" sagten hingegen 76 Prozent. Steffi Lemke widersprach nicht: "Wenn die Preisprognosen für die Energieversorgung so eintreffen, wie sie jetzt auf dem Tisch liegen, dann werden wir ein neues Hilfepaket schnüren müssen." Das Parlament müsse darüber abstimmen.

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.