Anmeldeflut erwartet: Evangelische Taufe im Rhein als Erinnerung an Jesus

Das Erzbistum hält das Untertauchen im Fluss nicht für sinnvoll.

In einem halben Jahr wird sich Pfarrer Mathias Bonhoeffer nasse Füße holen. Am 9. Juli werden er und seine Kollegin Anna Quaas 30 Kinder taufen – im Rhein. „Jesus wurde im Jordan getauft, also auch in einem fließenden Gewässer“, erklärt der 58-Jährige. „Nur dass der Jordan heute im Gegensatz zum Rhein ein kleines Rinnsal ist.“ Und Pfarrerin Quaas, die über Pfingstkirchen in Nigeria promoviert hat, wollte gerne einen Gottesdienst am oder im Wasser machen. „Daher kamen wir auf die Idee“, so Bonhoeffer. Im Hintergrund die Kulisse des Doms Auf der Suche nach einer passenden Taufstelle stießen die Geistlichen auf das seicht abfallende Ufer an Flusskilometer 689,5 im rechtsrheinischen Köln-Deutz. Bei der Premiere im Juli 2016 gab es elf Taufen. „Das war eine sehr schöne, würdige Feier“, erinnert sich Bonhoeffer, Großneffe der Hitler-Widersacher Dietrich Bonhoeffer und Hans von Dohnanyi. Eltern, Paten und Pastoren standen knietief im Wasser, im Hintergrund die imposante Kulisse des Doms. Den kleinen Täuflingen wurden jeweils ein paar Tropfen auf den Kopf geträufelt. „1968 hätte man das nicht machen dürfen, da konnte man seine frischentwickelten Bilder im Rhein fixieren“, so Bonhoeffer. „Aber heute ist die Wasserqualität in Ordnung.“ Anmeldeflut erwartet Für die Rheintaufe Nummer zwei sehen sich Quaas und Bonhoeffer einer wahren Anmeldeflut gegenüber. Also fahren sie in diesem Jahr „Zweischichtbetrieb“: mit je 15 Taufen pro Gottesdienst. Eigentlich galt das Angebot nur der eigenen Gemeinde, so der Pastor. „Aber wenn man einen Stein in den Rhein wirft, zieht er Kreise.“ Als Gründe für die Anfragen weit über Köln hinaus sieht er den wachsenden Wunsch nach individuell gestalteten Ritualen. Katholische Kirche äußert sich kritisch Und was ist mit den katholischen Verehrern von Vater Rhein? „Eine Taufe in offenen Gewässern ist sicherlich ein schönes Erlebnis und erinnert an die Taufe Jesu“, erklärt Sarah Meisenberg vom Erzbistum Köln. „Doch da es weder um ein Event, noch um ein Nachspielen der Taufe Jesu geht, ist das Taufen zum Beispiel im Rhein unseres Erachtens nicht sinnvoll.“ Auch sehe das katholische Kirchenrecht als Taufstätte – außer im Notfall – eine Kirche oder Kapelle vor. Theologisch gesehen gehe es bei dem Sakrament um die enge Verbindung zu Christus und die Aufnahme in die Gemeinde. Daher sei es sinnvoll, dass der Taufort die Kirche der Pfarrei sei, zu der der Täufling oder seine Eltern gehörten, so die Sprecherin. Bonhoeffer kennt diese Bedenken. „Wer sich für die Rheintaufe anmelden will, braucht eine Bestätigung seines Gemeindepfarrers, dass wir diese Amtshandlung übernehmen dürfen“, unterstreicht er. Und auch aus evangelischer Sicht werde ein Täufling „in die Gemeinde hinein“ getauft. „Deshalb ist es uns wichtig, dass die Leute Kontakt mit ihrem Pfarrer aufnehmen.“ (KNA)...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta