Friedrich Merz bei Lanz: Industrie könnte pro Woche 30 Panzer liefern

CDU-Chef Friedrich Merz sprach bei Markus Lanz über seine Reise in die Ukraine: "Ich bin zurückgekommen nach Deutschland und habe mir im Stillen gedacht: Mensch, was geht's uns doch gut. Und wie sehr sind wir verpflichtet, diesem Land zu helfen!"  (Bild: ZDF / Screenshot)
CDU-Chef Friedrich Merz sprach bei Markus Lanz über seine Reise in die Ukraine: "Ich bin zurückgekommen nach Deutschland und habe mir im Stillen gedacht: Mensch, was geht's uns doch gut. Und wie sehr sind wir verpflichtet, diesem Land zu helfen!" (Bild: ZDF / Screenshot)

CDU-Chef Friedrich Merz war am späten Dienstagabend zu Gast bei Markus Lanz. Der angriffslustige Auftritt des Oppositionsführers mündete einmal mehr in scharfer Kritik an der Regierung, die Versäumnisse bei Waffenlieferungen an die Ukraine zu verantworten habe.

Viel, für manche Zuschauer sicherlich längst zu viel, wird in den deutschen Talkrunden derzeit über den Sinn und Unsinn von weiteren Waffenlieferungen an die Ukraine debattiert. Auch bei "Markus Lanz" ging es am Dienstagabend wieder sehr detailreich um die Bereitstellung verschiedener Waffensysteme, und einmal mehr wurde über mögliche Versäumnisse der Bundesregierung bei der Auslieferung gestritten. Dass die aufgrund der Fußballübertragung erst kurz vor Mitternacht ausgestrahlte Sendung dennoch über weite Strecken gehobenes Hallo-Wach-Potenzial hatte, lag vor allem an der Tatsache, dass der CDU-Bundesvorsitzende Friedrich Merz ordentlich ins Kreuzverhör genommen wurde.

Der Gastgeber hielt es dabei zunächst wie eigentlich immer: Wem er die wärmsten Worte zur Begrüßung zuteilwerden lässt, der wird im Folgenden besonders heiß gegrillt. Markus Lanz lobte Friedrich Merz eingangs in den höchsten Tönen: Der CDU-Mann habe den SPD-Kanzler im Bundestag zuletzt "so provoziert", dass Olaf Scholz "für ein paar Minuten ganz unscholzig" geworden sei. Richtig unterhaltsam sei das gewesen, befand Lanz - "und gut für die Demokratie".

Überhaupt: Friedrich Merz sei endlich in seiner Rolle als bissiger Oppositionsführer angekommen - inklusive neuer Designer-Brille. Auch wenn in dieser Hymne bereits ein klein wenig Häme beigemischt war: Das Lob zur Begrüßung schien dem CDU-Chef gut zu tun. Merz gab sich in der "Lanz"-Sendung zunächst betont zurückgelehnt und zugleich angriffslustig. Der Gefallen am eigenen Auftritt sollt jedoch sukzessive geringer werden.

Nach warmen Worten zur Begrüßung ging es ans Eingemachte. Friedrich Merz (rechts) war am späten Dienstagabend Gast im ZDF-Talk von Markus Lanz. (Bild: ZDF / Screenshot)
Nach warmen Worten zur Begrüßung ging es ans Eingemachte. Friedrich Merz (rechts) war am späten Dienstagabend Gast im ZDF-Talk von Markus Lanz. (Bild: ZDF / Screenshot)

"Müssen uns die Frage stellen: Helfen wir eigentlich genug?"

Markus Lanz fragte den CDU-Chef nochmals nach den Beweggründen seiner bereits vielfach besprochenen Reise in die Ukraine: "Was haben Sie gesehen, was hat sie am meisten beeindruckt, was nimmt man davon mit?" Merz war um die Antwort nicht verlegen: Er habe das Ausmaß der Zerstörung gesehen, erklärte er. "Ich bin zurückgekommen nach Deutschland und habe mir im Stillen gedacht: Mensch, was geht's uns doch gut. Und wie sehr sind wir verpflichtet, diesem Land zu helfen!" - Und, so Merz einmal mehr: "Wir müssen uns die Frage stellen: Helfen wir eigentlich genug?" Er teile im Übrigen die Einschätzung, dass Gespräche und Diplomatie im Augenblick nicht helfen. Denn Putin weite den Krieg in der Ukraine ständig aus, und diese Aggression lasse sich nicht mit Worten stoppen.

Markus Lanz wäre nicht Markus Lanz, wenn er an dieser Stelle nicht nachhaken würde. "Was würden Sie denn machen?", wollte er von Merz wissen. Der CDU-Vorsitzende erinnerte an den Bundestags-Beschluss vom 28. April, in dem man die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine zugesagt habe, und antwortete: "Ich finde, dass man die Ausfuhrgenehmigung schneller hätte geben müssen ... - Zum Beispiel für den Marder."

Insgesamt bleibe er bei seinem Eindruck, dass die Bundesregierung "das nicht so richtig" wolle. "Wir könnten mehr tun!", sagte Merz bissig und wurde konkreter: Die Industrie könnte 30 Marder-Schützenpanzer pro Woche zur Verfügung stellen. "Die stehen auf dem Hof. Die hätten schon seit Wochen geliefert werden können." Schuld an der Verzögerung sei das Kanzleramt - was nicht zuletzt auch Koalitionspolitiker wie Marie-Agnes Strack-Zimmermann, FDP, angeprangert hätten.

"Wir bleiben hinter dem zurück, was wir im Bundestag mit den Stimmen der Koalition beschlossen haben." Die große Rückhaltung der Regierung könne er sich "ehrlich gesagt nicht erklären", meinte der Oppositionsführer im besten Oppositionsführer-Sprech und deutete zweideutig an. Er habe "das ungute Gefühl", dass es Dinge gibt, "die wir nicht wissen", so Merz einigermaßen nebulös ... "Was da auch an Gesprächen mit der Regierung in Russland geführt wird ..." So einfach ist aus einer "Lanz"-Sendung allerdings noch nie jemand herausgekommen. Also konfrontierte der Gastgeber Merz damit, dass das in Richtung Verschwörungstheorie gehe. "Davon bin ich nun ganz weit entfernt", erwiderte der CDU-Chef.

Man kennt sich, man schätzt sich, man duelliert sich: Die Journalistin Ulrike Herrmann (rechts) sparte im ZDF-Talk von Markus Lanz nicht mit Kritik an Friedrich Merz (links). (Bild: ZDF / Screenshot)
Man kennt sich, man schätzt sich, man duelliert sich: Die Journalistin Ulrike Herrmann (rechts) sparte im ZDF-Talk von Markus Lanz nicht mit Kritik an Friedrich Merz (links). (Bild: ZDF / Screenshot)

"Sie haben nichts Neues beigetragen. Sie haben nur Deutschland düpiert."

Doch das war es bei Weitem nicht an Gegenwind. Auch Rüdiger von Fritsch, Ex-Diplomat und früherer deutscher Botschafter in Moskau, widersprach Friedrich Merz zum guten Teil und warf ein, dass er nicht den Eindruck habe, dass es im Gegensatz zu Merz' Darstellung gar keine "unterschiedliche Einschätzung in der politischen Grundhaltung gibt" - in der Verurteilung dieses Krieges und der Erkenntnis der Lage seien sich Union und Regierungskoalition doch einig. Ansonsten finde er es grundsätzlich gut, dass in der Demokratie gestritten wird. Nur müsse diese Auseinandersetzung zu Hause ausgetragen werden.

Merz' Reise in die Ukraine sei insofern kontraproduktiv gewesen. Denn sie hätte nach seiner Einschätzung dazu gedient, den Bundeskanzler und die Regierung zu düpieren. Ein Vorwurf, den Merz entrüstet von sich wies. Er habe im Rahmen der Reise keinerlei Kritik an der deutschen Regierung geübt, vielmehr sei "die Zerrissenheit in der Bundesrepublik Deutschland" in den Medien "schon wochenlang vorher zum Ausdruck gekommen". Und überhaupt, so Merz weiter: "Deutschland wird ja auch international nicht nur gelobt, sondern zum Teil auch hart kritisiert."

Aber auch Ulrike Herrmann, "taz"-Wirtschaftsjournalistin, gab Merz kontra. "Sie haben nichts Neues beigetragen. Sie haben nur Deutschland düpiert." Die deutsche und europäische "Salamitaktik" goutierte sie ebenso wie Olaf Scholz' Strategie, in dieser Situation "von hinten zu führen" - es gäbe schließlich gute Gründe dafür. Janka Oertel, Sinologin und China-Expertin des "European Council on Foreign Relations", fügte hinzu, dass es im Ausland als ein "Zeichen von Schwäche" gesehen werde, wenn Deutschland nicht geschlossen auftrete. Sie findet die Ukraine-Reise von Friedrich Merz dennoch wichtig - als Zeichen, denn Politik habe nun einmal auch viel mit Symbolik zu tun.

Zu Gast bei Markus Lanz (links) waren am Dienstagabend (von links) der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz, die Journalistin Ulrike Herrmann, die Sinologin Janka Oertel und der Ex-Diplomat Rüdiger von Fritsch. (Bild: ZDF / Screenshot)
Zu Gast bei Markus Lanz (links) waren am Dienstagabend (von links) der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz, die Journalistin Ulrike Herrmann, die Sinologin Janka Oertel und der Ex-Diplomat Rüdiger von Fritsch. (Bild: ZDF / Screenshot)

"Warum tun Sie sich das an?"

Jetzt bloß keine Debatte über Symbolpolitik, dachte sich an dieser Stelle möglicherweise Markus Lanz. Für den Gastgeber war es an der Zeit, seinem prominenten Talkgast noch etwas nachdrücklicher auf den Zahn zu fühlen. "Macht Ihnen das Spaß eigentlich, Oppositionsführer im Deutschen Bundestag zu sein? Warum tun Sie sich das an? Sie hatten doch vorher so ein schönes Leben?" Merz nahm es mit einem Schmunzeln. Er sei ein politisch interessierter Mensch und groß geworden mit großem Interesse an spannenden Bundestagsdebatten - und er "habe das vermisst, dass das in letzter Zeit nicht stattgefunden hat, jenseits aller Parteipolitik".

"Ich finde, diese Debatte hat unserer Demokratie gut getan", befand Rüdiger von Fritsch nach einem Einspieler einiger im Bundestag ausgeführten Verbalattacken von Friedrich Merz gegen Kanzler Scholz. Jedoch kritisierte er auch die "rhetorische Stöckchenhalterei", die sich für ihn an der falschen Frage abarbeite. Es gehe doch nicht um Formulierungsfragen, ob zu sagen sei, dass die Ukraine den Krieg gewinnen müsse oder nicht. Die einzig richtige Feststellung sei doch: "Wladimir Putin darf sein strategisches Spiel nicht gewinnen." Weil, so der Ex-Diplomat, klar sei, "er zielt auch auf uns, auf unsere Ordnung, auf unsere Sicherheit".

"Ich finde diese Debatte hat unserer Demokratie gut getan", befand Rüdiger von Fritsch (rechts) nach einem Einspieler einiger im Bundestag ausgeführten Verbalattacken von Friedrich Merz gegen Kanzler Scholz. (Bild: ZDF / Screenshot)
"Ich finde diese Debatte hat unserer Demokratie gut getan", befand Rüdiger von Fritsch (rechts) nach einem Einspieler einiger im Bundestag ausgeführten Verbalattacken von Friedrich Merz gegen Kanzler Scholz. (Bild: ZDF / Screenshot)
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