Haus mitten auf der Schnellstraße

Zu niedrige Abfindung: Chinesisches Paar verweigert Umsiedlung

Das Haus in der ostchinesischen Provinz Zhejiang, in dem Luo Baogen und seine Frau wohnen, besteht nur noch aus wenigen Zimmern – der Rest wurde abgerissen. Zudem ist es neuerdings auf allen Seiten von einer mehrspurigen Straße umgeben. Die restlichen Bewohner sind längst geflüchtet. Aber die Baogens bleiben. Der Grund: Ihnen ist die Abfindung zu niedrig, die man ihnen für den Umzug geboten hat.

Zu niedrige Abfindung: Chinesisches Paar verweigert Umsiedlung (Bild: Reuters)Man könnte sagen, dass Luo Baogen und seine Frau die perfekte Verkehrsanbindung haben, immerhin leben sie mitten auf einer neugebauten Schnellstraße, die zum Bahnhof der chinesischen Millionenstadt Wenling führt. Freiwillig tun die beiden das jedoch nicht. Es ist nur so, dass das fünfstöckige Appartementhaus, in dem sie leben, den Plänen der chinesischen Regierung im Weg steht. Als die Behörden es abreißen lassen wollten, boten sie allen Bewohnern eine Abfindung an. Die aber war zu niedrig, um sich davon eine neue Wohnung leisten zu können, wie die Baogens finden. Deshalb besetzen sie weiter ihr Haus, das sich mittlerweile in eine Verkehrsinsel verwandelt hat.

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Ein Teil des Hauses wurde bereits abgerissen – nur die Zimmer, die das resolute ältere Ehepaar gemietet hat, stehen noch. Die Nachbarn haben längst die Flucht ergriffen. Im Augenblick ist die neu gebaute Schnellstraße noch nicht für den öffentlichen Verkehr freigegeben. Das wird sich jedoch bald ändern – und dann wird es richtig laut in der Wohnung der Baogens.

Das chinesische Ehepaar Baogen lebt neuerdings mitten auf einer Schnellstraße (Bild: Reuters)


In der Volksrepublik China ist es gesetzlich verboten, Häuser ohne das Einverständnis ihrer Bewohner abzureißen. Dies führte bereits mehrfach zu absurden Geschichten. So weigerte sich zum Beispiel eine Familie ganze zwei Jahre lang, ihre Wohnung in einem Hochhaus in der Stadt Tschungking zu verlassen. Selbst, als man den Bewohnern Strom und Wasser abstellte, harrten sie aus – und hissten stattdessen eine chinesische Flagge. Eines der Familienmitglieder, ein Kampfsport-Experte, drohte den Behörden zudem Schläge an, sollten sie die Wohnung betreten. Schließlich kam es doch noch zu einer Einigung.

Luo Baogens Aussicht, wenn er aus dem Fenster blickt (Bild: Reuters)






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