Nicht nur Layla: Lieder und Alben, die polarisieren

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Von Rammstein über Kollegah bis zu Sarah Connor: Immer wieder werden Lieder oder ganze Alben kritisch diskutiert. Das ist hierzulande keine Seltenheit.

Auf dem Oktoberfest in München wollen einige der Wiesnwirte das Lied Layla nicht spielen
Auf dem Oktoberfest in München wollen einige der Wiesnwirte das Lied Layla nicht spielen. Verboten ist es hingegen nicht. Foto: Symbolbild / gettimyages

Kontroverse um Schlager „Layla“: Zuerst sollte das sexistische Ballermann-Lied nicht auf einem Volksfest in Würzburg gespielt werden, woran sich aber nicht jeder Musiker hielt, nun positionieren sich im Vorfeld des Münchner Oktoberfests auch Wiesnwirte dagegen. Das Lied solle „nicht gespielt werden und basta“, sagte etwa einer der Wirte im Gespräch mit der Münchner Abendzeitung.

Wenn es um Lieder oder gar ganze Alben in Deutschland geht, sind Diskussionen oder auch Boykotte keine Seltenheit. Das zeigen einige Beispiele aus den vergangenen Jahren.

Kontroverse stoppt Musikpreis

Die Rapper Kollegah und Farid Bang waren 2018 mit ihrem gemeinsamen Album „Jung, brutal, gutaussehend 3“ für den Musikpreis Echo nominiert. Das brachte ihnen viel Aufmerksamkeit, vor allem für das Lied „0815“. Das sorgte mit der folgenden Liedzeile für viel Kritik: „Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen“. Vor allem das Internationale Auschwitz Komitee schaltete sich ein.

Christoph Heubner, Exekutiv-Vizepräsident des Komitees, sagte zu der Zeile: „Die Überlebenden empfinden besonders die Textzeile ‚Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen‘ nicht nur als roh und würdelos, sondern als verachtend ihnen und ihren ermordeten Angehörigen gegenüber: Auschwitz als billige Provokation, aus Sensationsgier als Verkaufstrick und Ego-Kick missbraucht.“

Dennoch wurden Kollegah und Farid Bang nicht von der Verleihung ausgeschlossen, tatsächlich gewannen sie sogar in ihrer Kategorie. Was dazu führte, dass zahlreiche andere Ausgezeichnete ihren Preis zurückgaben und der Echo für die künftigen Jahre abgesagt wurde.

Erzwingt Lied Erziehungsgespräche?

Sarah Connors Lied „Vincent“ aus dem Jahr 2019 beginnt mit der folgenden Zeile: „Vincent kriegt keinen hoch, wenn er an Mädchen denkt.“ Das war einigen Radiosendern zu explizit, denn sie weigerten sich, den Song zu spielen. Andere spielten ihn, schnitten dabei allerdings die erste Zeile ab. Aus Gründen des Jugendschutzes, wie es damals hieß.

In der Süddeutschen Zeitung sagte Antenne Bayerns damalige Programmdirektorin Ina Tenz dazu, dass sie nicht gezwungen werden möchte, mit ihrem Sohn über das Thema zu sprechen, „nur weil eine Sängerin meint, zu dieser Wortwahl greifen zu müssen, um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen“.

Connor selbst sagte, das Lied über das Coming Out eines homosexuellen Mannes sei ihr „wichtigster Song“ bis dahin – und auch einer ihrer erfolgreichsten. Am Ende des Jahres belegte das Lied Platz 15 der Jahrescharts.

Profis der Provokation

Mit beinahe jedem neuen Album setzt die Band Rammstein auf Provokation. Von Kannibalismus über die Hassliebe zu Deutschland bis hin zu Pornografie greift sie regelmäßig gezielt Themen auf, die die Öffentlichkeit spalten. So gibt es beispielsweise das Video zum Song „Pussy“ aus dem Jahr 2009 bis heute nur in zensierter Version. Der Grund: Es zeigt die Bandmitglieder beim Sex.

Dazu passend feierte es auch nicht auf Youtube, sondern auf einem Erotikportal Premiere. Zu sehen sind darin allerdings genau genommen nur Bodydoubles – alles echte Pornodarsteller – und nicht die Bandmitglieder selbst. Das Album zum Lied, „Liebe ist für alle da“, stand damals sogar kurzzeitig auf der Indexliste, weil es eben ungeschützten Sex propagieren und in einem anderen Lied angeblich zu Gewalt aufrufen sollte. Doch wenig später nahm die Bundesprüfstelle das Album wieder von der Liste jugendgefährdender Medien.

Auch dieses Jahr schaffte Rammstein wieder einen Aufreger zu platzieren, und zwar mit ihrer ersten Auskopplung aus dem aktuellen Album „Zeit“. In dem Video, das auch weiterhin online steht, ist eine Geburt zu sehen.

Spiel mit rechten Begriffen

Sehr erfolgreich, aber auch kontrovers diskutiert, ist ebenfalls Andreas Gabalier. Der selbsternannte „Volks-Rock'n'Roller“ baut in seinen Texten immer wieder fragwürdige Aussagen ein.

Im Spiegel analysierte im Jahr 2019 Michael Fischer vom Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Uni Freiburg einige von Gabaliers Metaphern. Fischers Expertise liegt in „volkstümlichem Liedgut – aus der Zeit des Nationalsozialismus bis heute“. Die meisten Texte Gabaliers seien demnach reaktionärer Kitsch, doch sie würden auch fragwürdige Passagen in sich tragen. Dazu sagt Fischer: „Im volkstümlichen Schlager werden meist nur Berge und Wiesen besungen, Gabalier aber wird politisch.“ Er singe von ‚Freiheit‘, von ‚Kameraden‘ und ‚Heimatsöhnen‘ und nutze damit bewusst Begriffe aus einem rechtspopulistischen Umfeld. Dabei sticht das Lied „Mein Bergkamerad“ hervor, das eine Freundschaft besingt, „die ein Männerleben prägt, wie ein eisernes Kreuz, das am höchsten Gipfel steht“.

Das Eiserne Kreuz war ein Kriegsorden, der im Nationalsozialismus verliehen wurde, aber auch schon davor im Kaiserreich. Solche Formulierungen seien laut Fischer gewollte Provokationen, denn das könne „kein Zufall sein, soviel Naivität kann man Gabalier kaum unterstellen“.

Schlager ist häufig sexistisch

Regelmäßig stehen hierzulande also Lieder oder ganze Alben in der Kritik, Layla ist absolut keine Ausnahme. Im Gegenteil, wie die Musikwissenschaftlerin Marina Schwarz bei Watson erklärt. Gerade „Party- beziehungsweise Mallorca-Schlager“ seien häufig offen sexistisch. Als Beispiel nennt sie Mickie Krause, der „Geh mal Bier hol'n, du wirst schon wieder hässlich“ singt.

Schwarz sagt: „Da funktioniert der Sexismus über eine ohnehin schon enthemmte Party-Stimmung.“ Und weil Mallorca bekanntermaßen nur einmal im Jahr sei, lasse man korrektes Alltagsverhalten ohnehin zu Hause, enthemme sich selbst und mache Urlaub vom politisch korrekten Selbst.

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