"Null Covid"-Strategie: In China müssen jetzt Fische getestet werden

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China fährt nach wie vor eine strenge "Null Covid"-Strategie. Die Maßnahmen dafür nehmen mitunter kuriose Ausmaße an, wie dieses Beispiel zeigt.

Einmal zum Abstrich bitte: Jeder gefangene Fisch muss auf Covidd getestet werden.
Einmal zum Abstrich bitte: Jeder gefangene Fisch muss auf Covidd getestet werden. (Symbolbild: Getty)

Xiamen ist eine Hafenstadt auf einer vorgelagerten Insel an der südöstlichen Küste der Volksrepublik. In der Großstadt in der Provinz Fujian leben etwas mehr als fünf Millionen Einwohner*innen. Wie überall in China gilt auch hier eine strikte "Null Covid"-Politik. Um die Stadt virusfrei zu halten, haben sich die Behörden dort nun eine ganz spezielle Maßnahme ausgedacht.

Abstriche für Fische und Krabben

Der Fischfang ist neben dem Containerhafen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Metropole. Doch die ein- und ausfahrenden Schiffe bringen immer auch die Gefahr einer erneuten Covid-Infektion mit sich. Deshalb haben die Behörden nun angeordnet, dass alle Fischer*innen sich bei der Rückkehr in den Hafen auf das Virus testen lassen muss. Und nicht nur das: Auch die gefangenen Fische sollen abgestrichen werden, um sicherzustellen, dass sie keine Erreger in sich tragen, wie der britische "Guardian" nun berichtete.

Mithilfe eines Nukleinsäure-Tests sollen das gefangene Meeresgetier auf Anzeichen SARS-CoV-2 untersucht werden. Anlass dafür sei der Verdacht, dass Fischer illegalen Handel mit anderen Überseeschiffen auf dem Meer betrieben und so in Kontakt mit möglichen Virusträgern kommen könnten. Gegenüber Lokalmedien sagte ein Sprecher der städtischen Verwaltung: "Momentan benötigen alle Menschen in Xiamen Nukleinsäure-Tests und der Fischfang muss auch getestet werden." Dazu zeigten chinesische Fernsehsender, wie Behördenmitarbeitende Abstriche in Fischmündern vornahmen und die Unterseite von Krabben abstrichen.

Spott auf Social-Media: "Quarantäne für Fische"

Die Strategie aus Xiamen hat in China für einigen Spott gesorgt, nachdem die Aufnahmen der Lokalsender sich verbreiteten. Auf der Social-Media-Plattform Weibo wurde ein passender Hashtag mehr als 120 Millionen mal geklickt, über 6.000 User*innen kommentierten die Fisch-Abstriche. Darunter war auch der Vorschlag, die Behörden sollen doch die Strategie ausweiten und den Fischen zukünftig nach Reisen in internationale Gewässer sieben Tage Quarantäne verordnen, wie der "Guardian" übersetzte.

In vielen Bereichen des chinesischen Alltags ist der harte Covid-Kurs der Regierung allerdings nicht ganz so amüsant. So sorgten in der vergangenen Woche virale Aufnahmen aus einer Ikea-Filiale für Aufsehen. Dort versuchten verzweifelte Kund*innen, an den Sicherheitskräften vorbei durch die Türen des Ladens auszubrechen, nachdem das ganze Gebäude unter eine Sofort-Quarantäne gestellt worden war.

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