Claus Kleber warnt zum Abschied: "Ideologie vergiftet den Journalismus"

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Nach über 3.000 Sendungen moderiert Claus Kleber ein letztes Mal das "heute journal" im ZDF. (Bild: ZDF / Klaus Weddig)
Nach über 3.000 Sendungen moderiert Claus Kleber ein letztes Mal das "heute journal" im ZDF. (Bild: ZDF / Klaus Weddig)

Mit Claus Kleber verlässt eine TV-Institution die Bühne. Vor seiner letzten Sendung meldete sich der Journalist in zwei großen Abschiedsinterviews zu Wort. Er sprach dabei auch über die Corona-Pandemie, Gefahren für den Journalismus und seine eigene Rolle bei der Berichterstattung.

Claus Kleber macht Schluss: Nach knapp 20 Jahren und über 3.000 Sendungen verabschiedet sich der Moderator in einer letzten Sendung vom "heute journal". Bevor er sich ein letztes Mal vor die Kamera wagt, um die neuesten Nachrichten zu präsentieren, meldete sich der 66-Jährige angesichts seines Abschieds in Interviews mit der "Zeit" und dem "Spiegel" zu Wort. Dabei sparte er nicht an Kritik.

Bei Moderatorinnen und Moderatoren, speziell im Hörfunk, beobachte Kleber, "mit welcher Selbstverständlichkeit da Urteile abgegeben werden, von Leuten, die sich erkennbar mit der Sache nie vertieft beschäftigt haben", bemängelte er gegenüber der "Zeit".

Christian Sievers wurde schon vor einiger Zeit als Nachfolger von Claus Kleber benannt. In der neuen Rolle wird er seine erste "heute journal"-Woche vom 10. bis 16. Januar 2022 im ZDF absolvieren (Bild: ZDF / Jana Kay)
Christian Sievers wurde schon vor einiger Zeit als Nachfolger von Claus Kleber benannt. In der neuen Rolle wird er seine erste "heute journal"-Woche vom 10. bis 16. Januar 2022 im ZDF absolvieren (Bild: ZDF / Jana Kay)

"Weder der Schiedsrichter noch der Obervirologe"

Ideologie "vergiftet den Journalismus", verdeutlichte Claus Kleber. Er selbst habe stets darauf Wert gelegt, "immer die Gegenposition zum Gesprächspartner" einzunehmen. Geklappt habe das allerdings nicht immer, reflektierte der Moderator. Mehr noch: "Ausgerechnet die Interviews, in denen ich privat mit den Interviewten einig war", seien mehrfach in "Frontal-Zusammenstöße" ausgeartet, gab sich Kleber selbstkritisch. Eine zusätzliche Schwierigkeit berge die Coronakrise, denn es widerspreche "unseren journalistischen Instinkten, mit der Regierung in Grundfragen einig zu sein".

Auf die Verantwortung des Journalismus ging Claus Kleber auch im Interview mit dem "Spiegel" ein. Nicht nur der Umgang mit Minderheitenmeinungen sei eine Herausforderung, gefährlich sei es auch, "wenn man, um der Balance aus dem Wege zu gehen, gewisse Interpretationen von Fakten nicht mehr zulässt". Über seine eigene Rolle in der Coronakrise sagte Kleber, er wolle "weder der Schiedsrichter noch der Obervirologe" sein.

Christian Sievers übernimmt ab 10. Januar

Nach fast zwei Jahrzehnten moderiert Claus Kleber am Donnerstag, 30. Dezember, 21.45 Uhr, zum letzten Mal das "heute journal" im ZDF. "Wir werden Claus Kleber vermissen, denn er wollte, was wir auch wollen: immer die beste Sendung machen", sagt Wulf Schmiese, Redaktionsleiter des "heute journal". "Es war eine Freude, täglich gemeinsam um die Themen zu ringen und auch inhaltlich zu streiten, weil Claus Kleber stets konstruktiv gesinnt ist. Die Qualität des 'heute journal', die Claus Kleber und Marietta Slomka seit vielen Jahren durch ihre Moderationen gewährleisten, wird auch mit Christian Sievers erhalten bleiben. Ihn kennt und schätzt die Redaktion schon lange als Vollblutjournalisten und ideenreichen Moderator", so Schmiese.

Bettina Schausten, stellvertretende ZDF-Chefredakteurin und Leiterin der ZDF-Hauptredaktion Aktuelles ergänzt: "Fast zwei Jahrzehnte lang war Claus Kleber im besten Sinne der Anker, der auch in aufwühlenden Nachrichtenzeiten Sicherheit und Orientierung geboten hat - zuverlässig, glaubwürdig und klug. Dafür danken wir ihm im ZDF sehr.

Christian Sievers wurde schon vor einiger Zeit als Nachfolger benannt. In der neuen Rolle wird er seine erste "heute journal"-Woche vom 10. bis 16. Januar 2022 im ZDF absolvieren. Der langjährige "heute"-Moderator ist für die Zuschauerinnen und Zuschauer des Nachrichtenmagazins ein vertrautes Gesicht - seit 2013 war er jeweils für einige Wochen im Jahr auch im "heute journal"-Einsatz.

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