Werbung

Schlupfloch für Migranten? Polen verstärkt Grenzzaun zu russischem Kaliningrad

Polen hat seine Grenzbefestigungen zur russischen Enklave Kaliningrad verstärkt. Zur Begründung hieß es, dass der Grenzübergang ein Schlupfloch für Migranten aus dem Nahen Osten dienen könnte. Derweil sollen neue Flugrouten zwischen der Region dem Flughafen Kaliningrad eröffnet werden.

"Soldaten der polnischen Armee haben auf der gesamten Länge der Grenze mit der russischen Föderation Draht ausgelegt. Wir planen außerdem elektronische Sperre an der Grenze zu Russland", erklärt Konrad Szwed vom Grenzschutz.

Kaliningrad: Neue Migrationsroute geplant?

Experten schließen nicht aus, dass Russland die Absicht hat, eine neue Migrationsroute aufzumachen, wie Agnieszka Legucka, vom Polnischen Institut für Internationale Angelegenheiten erklärt:

"Im Moment kommen kaum Migranten in die Kaliningrader Oblast, aber es könnte so kommen wie an der Grenze zu Belarus. Also beobachten wir die Beziehungen zwischen Russland und der Türkei. Ich betrachte diese Art von Maßnahmen der polnischen Behörden als Präventivpolitik. Russland hat jetzt wegen des Kriegs in der Ukraine nicht mehr viel Zeit, also versucht es, viele Elemente der "Bedrohung" in Richtung der Europäischen Union zu schieben, einschließlich Migranten."

Internationale Organisationen sorgen sich nicht nur um das Entstehen neuer Migrationsrouten, sondern darum, was die Flüchtlinge erwartet:

Was die Menschen an der EU-Außengrenze erwartet

"Es ist kein Szenarium über das wir nicht schon nachgedacht haben. Und eigentlich ist es nicht verwunderlich, dass solche Gerüchte, solche Bewegungen im Allgemeinen, von der russischen Seite ausgehen. Aus meiner Sicht als jemand, der an der belarussischen Grenze arbeitet, ist die Vorstellung, wie die Menschen behandelt werden könnten, am erschreckendsten. Werden sie - wie die Menschen an der belarussischen Grenze - zurückgedrängt werden? Es ist für mich unvorstellbar, wie wir Menschen in das Land des Aggressors zurückdrängen könnten", meint Kalina Czwarnóg von der Stiftung "Ocalenie".

Polen bereitet sich nicht nur auf eine neue Migrationsroute durch Kaliningrad vor, sondern auch darauf, weitere Flüchtlinge aus der Ukraine aufnehmen zu müssen. Dieses Mal sind es nicht nur Bomben, vor denen sie fliehen, sondern auch extreme Kälte.

Dies ist ein Bericht von unserer Korrespondentin Magdalena Chodownik aus Warschau.