Ukrainer in entscheidender Schlacht - Ausländer zum Tode verurteilt

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Das qualvoll lange Leiden und Sterben der ukrainischen Verteidiger unter dem Asow-Stahlwerk in Mariupol ist noch in Erinnerung. Jetzt droht ähnlicher Schrecken in Sjewjerodonezk. Separatisten verurteilen zwei Briten und einen Marokkaner zum Tode.

Eine Frau sitzt am Stadtrand von Kiew in den Trümmern (Bild: Natacha Pisarenko/AP/dpa)
Eine Frau sitzt am Stadtrand von Kiew in den Trümmern (Bild: Natacha Pisarenko/AP/dpa)

In der Stadt Sjewjerodonezk haben sich ukrainische Soldaten am Donnerstag weiter in erbitterten Kämpfen gegen eine russische Übermacht zur Wehr gesetzt. Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete die Schlacht um die Stadt im Osten des Landes mit einst mehr als 100 000 Einwohnern als die vielleicht schwerste des Krieges. In Bunkern unter der Chemiefabrik Azot haben sich ukrainische Soldaten und Zivilisten in Sicherheit gebracht. Das erinnert fatal an das Asow-Stahlwerk in Mariupol, wo die letzten ukrainischen Verteidiger nach wochenlangen Abwehrkämpfen und heftigen russischen Bombardierungen am 21. Mai in russische Gefangenschaft gegangen waren.

Todesurteile im Osten

In der separatistischen Donezker Volksrepublik (DVR) im Osten der Ukraine hat ein Gericht am Donnerstag erstmals Todesurteile verhängt. Die zwei Briten und ein Marokkaner hatten in den Reihen der ukrainischen Streitkräfte gegen die Russen gekämpft. Sie seien als Söldner zum Tode verurteilt worden, meldete die russische Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf die Urteilsbegründung. Die Verurteilten könnten innerhalb eines Monats Berufung gegen das Urteil einlegen, hieß es. Die Briten waren Mitte April in der südostukrainischen Hafenstadt Mariupol gefangen genommen worden. Beide hatten laut Medienberichten schon vor dem Krieg in der Ukraine gelebt und dort auch geheiratet.

Gouverneur: Russland kontrolliert Großteil von Sjewjerodonezk

Der Gouverneur der Region Luhansk, Serhij Hajdaj, räumte nach schweren Kämpfen zwar ein, die russische Armee kontrolliere mehr als 90 Prozent des Luhansker Gebiets und auch den größten Teil von Sjewjerodonezk. Die Verteidiger würden sich im Industriegebiet der Stadt halten, es gebe aber auch Kämpfe in anderen Stadtteilen. Er bestritt, dass die Lage schon so wie zuletzt in Mariupol sei. «Stand heute besteht keine Gefahr einer Einkesselung», meinte Hajdaj. Die Angaben sind nicht unabhängig zu prüfen.

Zerstörungen in Sjewjerodonezk (Bild: Unbekannt/GROUPDF/APA/dpa)
Zerstörungen in Sjewjerodonezk (Bild: Unbekannt/GROUPDF/APA/dpa)

In Sjewjerodonezk entscheidet sich Schicksal des ukrainischen Donbass

Selenskyj bezeichnete die Schlacht um Sjewjerodonezk als richtungsweisend für den Kampf um den Osten des Landes. «Sjewjerodonezk bleibt das Epizentrum der Auseinandersetzungen im Donbass», sagte er in einer Videobotschaft. Das ukrainische Militär füge dem Gegner dort spürbare Verluste zu. «Das ist eine sehr brutale und schwere Schlacht. Vielleicht eine der schwersten dieses Krieges (...) In vielem entscheidet sich dort das Schicksal unseres Donbass.»

Scholz rechnet mit noch langem Krieg

Russlands Präsident Wladimir Putin habe noch nicht verstanden, dass seine Pläne nicht aufgehen werden, sagte Scholz am Donnerstag in einem Interview des Radiosenders Antenne Bayern.

Olaf Scholz (Bild: REUTERS/Ints Kalnins)
Olaf Scholz (Bild: REUTERS/Ints Kalnins)

«Nachdem es ihm nicht gelungen ist, die ganze Ukraine zu erobern und seine Truppen um Kiew herum zurückgezogen hat, bombardiert er jetzt die Regionen im Osten der Ukraine, vor allem den Donbass, und hat offenbar die Vorstellung, dass, wenn er da alles nieder gebombt hat, das dann ein Teil des russischen Imperiums werden kann», sagte Scholz. «Das wird aber nicht funktionieren.»

Lauterbach besucht Ukraine

Unterdessen bot Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) bei einem Besuch in der Ukraine am Donnerstag deutsche Hilfe bei der Versorgung der vielen Schwerverletzten an. Es gehe einerseits um Behandlungen in Deutschland, aber auch um die Versorgung Verletzter in dem kriegsgeplagten Land selbst, sagte er vor der Abreise im Deutschlandfunk. Lauterbach nannte konkret Hilfen für Menschen mit schweren Verbrennungen sowie für Menschen, die im Krieg Gliedmaßen verloren haben. Lauterbach reiste auf Einladung der Regierung in Kiew in die Ukraine.

Berichte über Tote und Verletzte bei russischen Angriffen

Bei Angriffen auf ukrainische Orte sind den Behörden zufolge mehrere Zivilisten getötet oder verwundet worden. Der Gouverneur des Gebiets Donezk, Pawlo Kyrylenko, machte Russland für vier Tote und fünf Verletzte in dem von Regierungstruppen kontrollierten Teil der Region im Osten des Landes verantwortlich. «Die Lage bleibt schwierig. Die Frontlinie steht unter ständigem Beschuss», teilte Kyrylenko mit. Die ukrainische Armee sprach von sieben abgewehrten russischen Angriffen im Donbass. Dabei seien 31 Kämpfer getötet und mehrere gepanzerte Fahrzeuge zerstört worden. Das russische Militär habe beim Beschuss ukrainischer Orte etwa 20 Häuser sowie zwei Schulen und eine Bahnstation zerstört.

EU stellt Ukraine weitere 205 Millionen Euro zur Verfügung

«Mit diesen Mitteln sorgen unsere humanitären Partner für Nahrungsmittel, Wasser, medizinische Versorgung, Unterkünfte, Schutz und Bargeldhilfen», sagte der für EU-Krisenmanagement zuständige Kommissar Janez Lenarcic während eines Ukraine-Besuches am Donnerstag. Bisher wurden Leistungen im Wert von mehr als 700 Millionen Euro an EU-Hilfen bereitgestellt - 13 Millionen hiervon seien laut EU-Kommission für Projekte im benachbarten Moldau bestimmt. Nach Angaben der Vereinten Nationen benötigen rund 16 Millionen Menschen in der Ukraine humanitäre Hilfe. Bereits mehr als 14 Millionen Menschen mussten ihre Heimat verlassen - davon seien knapp 7 Millionen Menschen in die Nachbarländer geflüchtet.

Putin will wie Zar Peter der Große russische Erde «zurückholen»

Kremlchef Wladimir Putin hat den von ihm befohlenen Krieg gegen die Ukraine auf eine Ebene mit dem Großen Nordischen Krieg unter Russlands Zar Peter I. gestellt und von einer Rückholaktion russischer Erde gesprochen. Peter habe das Gebiet um die heutige Millionenstadt St. Petersburg nicht von den Schweden erobert, sondern zurückgewonnen. «Offenbar ist es auch unser Los: Zurückzuholen und zu stärken», zog Putin laut der Nachrichtenagentur Interfax am Donnerstag Parallelen zum Krieg gegen die Ukraine.

Vladimir Putin  (Bild: Kremlin Press Service/Handout/Anadolu Agency via Getty Images)
Vladimir Putin (Bild: Kremlin Press Service/Handout/Anadolu Agency via Getty Images)

Am 9. Juni ist der 350. Geburtstag von Peter dem Großen, der sich als erster russischer Zar den Titel Imperator gab und mit Eroberungen im Norden Russland einen Zugang zur Ostsee sicherte - als so genanntes «Fenster nach Europa». Seit dieser Zeit habe sich fast nichts geändert, behauptete Putin nun in einem Gespräch mit Jungunternehmen im Vorfeld des Internationalen Petersburger Wirtschaftsforums. Auch damals habe kein europäischer Staat das Gebiet als russisch anerkannt. «Dabei haben dort seit Jahrhunderten neben den finno-ugrischen Stämmen auch Slawen gelebt», sagte der Kremlchef.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg erkrankt

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg musste seinen für Donnerstag geplanten Berlin-Besuch kurzfristig absagen. Ein Nato-Beamter erklärte auf Anfrage, bei Stoltenberg sei Gürtelrose diagnostiziert worden und er arbeite von zu Hause aus. Dies könne nach einer Corona-Erkrankung auftreten.

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