Russisches Roulette für russische Journalistin Marina Owsjannikowa

Vier Gerichtsverfahren und eine Verhaftung. Seit ihrer Rückkehr nach Russland ist die Journalistin Marina Owsjannikowa den Einschüchterungen der Machthaber ausgesetzt. Ihr ist bewusst, dass ihr Zurückkommen einem Spiel an russischem Roulette gleichkommt, jeden Moment könnte sie wieder verhaftet werden.

"Ich bin eine Kämpferin, ich prangere den Krieg weiterhin aktiv an. Ich habe keine Angst, trotz der ständigen Einschüchterung durch die Behörden und Gerichtsverfahren", so Owsjannikowa gegenüber AFP.

Ich habe mich entschieden, russisches Roulette zu spielen

Im März wurde die Reporterin international bekannt, als sie eine Live-Sendung unterbrach, um den Krieg von Präsident Wladimir Putin in der Ukraine zu kritisieren.

Damals mit ihrem Protestplakat bewaffnet, stellte sich die Reporterin während eines Beitrags über die Invasion in der Ukraine hinter die Nachrichtensprecherin. Sie appelierte dabei der Propaganda und den Lügen nicht zu glauben, zusätzlich rief sie "Beendet den Krieg!" und "Kein Krieg".

Danach verbrachte Owsjannikowa einige Zeit im Ausland, drei Monate lang arbeitete sie dabei bei der Tageszeitung Die Welt. Schlussendlich war ein Sorgerechtsstreit mit ihrem Ex-Mann um ihre zwei Kinder der Grund, warum sie wieder nach Russland zurückkehrte.

"Es gibt eine alte sowjetische Redewendung: "Gib mir eine Person und ich finde das Verbrechen", was so viel bedeutet: Sollten sie es wollen, können sie mich verhaften."

Die Journalistin hatte sich ein komfortables Leben aufgebaut, 19 Jahre lang arbeitete sie für das russische Staatsfernsehen. Nun ist sie eine der letzten Stimmen in Russland, die den Konflikt in der Ukraine lautstark verurteilen. Andere einflussreiche Kritiker sitzen im Gefängnis, halten sich bedeckt oder sind im Exil.

Trotz der Risiken nimmt sie auch weiter an Nachrichtensendungen teil, die von russischen Oppositionellen über soziale Netzwerke verbreitet werden. Aufgrund ihrer Kritik wurde sie Mitte Juli in der Nähe ihres Hauses von der Polizei kurzzeitig festgenommen und in zwei Gerichtsverfahren wegen Äußerungen gegen die Offensive in der Ukraine zu Geldstrafen verurteilt.

Außerdem hat sie seit ihrer Rückkehr aus dem Exil den inhaftierten Oppositionspolitiker Ilja Jaschin vor Gericht unterstützt, und in der Nähe des Kremls mit einem Plakat demonstriert, auf dem Putin als "Mörder" bezeichnet wird.

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