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"Dass Boateng zu Bayern gehen soll, das ist schon unfassbar"

Die Nachricht, dass Jérôme Boateng demnächst beim FC Bayern München wieder anheuern soll, hat in Frankreich für Verwunderung gesorgt.

Schließlich verbrachte der Weltmeister von 2014 zwei Jahre bei Olympique Lyon, wo er nie zu überzeugen wusste. Fitness-Probleme, eine chronische sportliche Krise der Lyonnais sowie seine Privat-Affäre sorgten an der Rhône und Saône dafür, dass er als einer der größten Flops in der Geschichte von OL betrachtet wird.

In Lyon hat Boateng enttäuscht

Im Sommer 2021 kam er nach Lyon als großer Hoffnungsträger, schließlich wechselt nicht jede Woche ein gestandener deutscher Nationalspieler in die Ligue 1, Paris Saint Germain mal ausgenommen. In diesen zwei Saisons hatte er mit Peter Bosz und Laurent Blanc zwei Trainer, die jeweils zu Beginn ihrer Amtszeit auf ihn setzten - und ihn schließlich aussortierten.

Nicht aufgrund der privaten Nebengeräusche – schließlich ignorierten die Verantwortlichen des derzeitigen Tabellenschlusslichtes der Ligue 1 bei seiner Verpflichtung, dass Boateng nur wenige Tage später in München vor Gericht erscheinen musste –, sondern weil er nie wirklich fit wurde und auch seine Chance nie nutzen konnte, sobald er von Anfang an spielen durfte.

„Dass Boateng zu Bayern gehen soll, das ist schon unfassbar“, sagte Raymond Domenech, der zwischen 2004 und 2010 französischer Nationaltrainer war, und heute als Experte bei l´équipe TV tätig ist.

„Man hätte eher erwartet, dass er in die USA oder nach Saudi-Arabien geht, auch weil er in Lyon nie sein bestes Niveau erreichen konnte. Bei OL stand er monatelang auf dem Abstellgleis, obwohl die Mannschaft alles andere als funktionierte und sich am Ende sich nicht mal für einen europäischen Wettbewerb qualifizieren konnte.“

Juninho sieht Boateng-Deal als „Riesen-Überraschung“

Als Boateng nach Lyon kam, hieß der Sportdirektor Juninho. Damals suchte man dringend einen neuen Innenverteidiger, bis Bosz den Namen Boateng in die Runde warf. „Peter war sich sicher, dass Jérôme für uns eine große Hilfe darstellen würde“, sagte der Brasilianer zuletzt beim Radio-Sender RMC Sport.

„Im Nachhinein muss man schon anerkennen, dass es keine gute Idee war, weil der Spieler unsere Erwartungen nie erfüllen konnte. Dass er nun zum FC Bayern geht, das ist ja eine Riesen-Überraschung. Er kam letzte Saison immer seltener zum Einsatz und nun hat er seit mehr als vier Monaten nur allein trainiert. Ob das gut geht in München?

Bekannt für seinen Sarkasmus und seine Ironie fügte Domenech, der Lyon von 1989 bis 1993 trainierte, hinzu: „Bayern München ist eigentlich für seine hohe Professionalität und seine großartigen Erfolge bekannt. Aber mit einer solchen Maßnahme und der Rückkehr von Boateng kann es eigentlich fast nur schiefgehen. Außer die Münchner Luft verleiht ihm neue Flügel. Das darf berechtigterweise bezweifelt werden.“