Wissenschaftler warnen: Immer mehr Menschen werden kurzsichtig

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Wegen der Pandemie erwarten Augenärzte mehr Kurzsichtigkeit bei Kindern. Doch auch unter Erwachsenen beobachten Forscher eine regelrechte "Epidemie" der Kurzsichtigen – vor allem bei einer Generation.

Immer mehr Menschen sind kurzsichtig und brauchen eine Brille (Symbolbild: Getty Images)
Immer mehr Menschen sind kurzsichtig und brauchen eine Brille (Symbolbild: Getty Images)

Schon lange ist Kurzsichtigkeit auf dem Vormarsch. Bedingt durch das eingeschränkte Freizeitangebot und erhöhte Bildschirmzeit während der Corona-Pandemie sinkt Augenärzten zufolge das Sehvermögen bei Kindern. "Es ist zu erwarten, dass in der Pandemie durch übermäßiges zu nahes Sehen auf Handys oder Tablets die Kurzsichtigkeit unter Kindern zugenommen hat", erklärte der Sprecher des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands (BVA), Ludger Wollring, der Nachrichtenagentur dpa. "Uns liegen dazu keine Daten vor, aber frühere Studien lassen diese Auswirkung vermuten."

Nun zeigt eine aktuelle Studie, dass die Kinder der Pandemie nicht die einzigen sind, die besonders häufig kurzsichtig werden. Auf der Basis von Daten, die in einem umfassenden Biobank-Programm im Vereinigten Königreich von 107.442 Teilnehmern erfasst wurden, kamen die Forscher zu einem verblüffenden Ergebnis: Einen hohen Anstieg der Kurzsichtigkeit im Erwachsenenalter konnten die Wissenschaftler vor allem bei der späten Baby-Boomer-Generation beobachten. Das Risiko, dass Menschen kurzsichtig werden, die in den späten 1960-ern geboren wurden, ist um 10 Prozent höher als bei denen, die drei Jahrzehnte vorher geboren wurden.

Die Forscher sprechen von einer "aufkommenden 'Epidemie' der Kurzsichtigkeit". Doch wodurch genau wird diese Kurzsichtigkeit begünstigt? Es sind eine Reihe von verschiedenen Faktoren, die zusammen spielen – sowohl genetische als auch umweltbedingte. Hinzu kommt die Tatsache, dass Menschen heutzutage deutlich länger auf Monitore starren als noch vor ein paar Jahren. Wie die Forscher in ihrer Studie aber betonen, sind das alles Dinge, die sich mit den richtigen öffentlichen Gesundheitsinitiativen ändern oder zumindest vermindern ließen.

Die Bildschirmzeit bei Kindern und Erwachsenen hat zugenommen (Symbolbild: Getty Images)
Die Bildschirmzeit bei Kindern und Erwachsenen hat zugenommen (Symbolbild: Getty Images)

Diese Generation ist am meisten gefährdet

Während es einen großen Anstieg der Kurzsichtigkeit bei den Personen gibt, die erst im Erwachsenenalter kurzsichtig werden, verdoppelte sich die Anzahl der schweren Fälle bei Menschen, die bereits seit dem Kindesalter kurzsichtig sind.

Insgesamt stieg der Anteil der kurzsichtigen Personen in der ältesten Studiengruppe (geboren zwischen 1939 und 1944) und der aus der jüngsten Gruppe (geboren zwischen 1965 und 1979) von 20 Prozent auf 29,2 Prozent, wobei es sich in der Regel meist um milde Fälle handelte. Einen besorgniserregenden Trend konnten die Forscher allerdings bei denjenigen feststellen, die zwischen 1955 und 1959 auf die Welt gekommen sind: In dieser Gruppe waren gleich 30,9 Prozent von Myopie bzw. Kurzsichtigkeit betroffen.

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Die Ursachen für die zunehmende Kurzsichtigkeit sehen die Forscher in der wachsenden Nutzung von elektronischen Geräten und Fernsehen, aber auch in Ernährungsumstellungen und Diäten im Kindesalter. Auch trägt sicherlich negativ dazu bei, dass sich die Lernmethoden mit den Jahren veränderten, Kinder früher mehr Zeit draußen verbrachten und heute mehr Hausaufgaben machen.

Auch könnte den Forschern zufolge eine große Rolle spielen, dass Menschen auch noch nach dem achtzehnten Lebensjahr in der Ausbildung sind und dementsprechend mehr Jahre damit verbringen, zu lesen, zu lernen und an Prüfungen teilzunehmen.

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