Anonymous hackt Taxiruf - und löst Chaos in Moskau aus

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Das Hacker*innen-Kollektiv Anonymous hat den Taxiruf von Yandex gehackt und Dutzende Taxis zu derselben Adresse in Moskau gerufen. Dadurch wurde eine der wichtigsten Straßen in der russischen Hauptstadt für 40 Minuten verstopft.

Anonymous hat in Moskau unzählige Taxis zu ein und derselben Adresse beordert
So ähnlich dürfte es nach einem Hacker*innen-Angriff auf den größten russischen Taxiruf-Dienst vergangene Woche in Moskau ausgesehen haben. (Symbolbild: Reuters / Kai Pfaffenbach)

Auch wenn der russische Angriffskrieg weitaus weniger digital daherkommt, als manche Expert*innen im Vorfeld dachten – sie rechneten mit Cyberattacken auf die Ukraine, die systemkritische Infrastruktur lahmlegen und eine Gegenwehr im Keim ersticken würden – werden dennoch Schlachten im Digitalen geschlagen.

Dabei gerät nicht nur die Ukraine, sondern auch Russland immer wieder ins Visier. Wie es auf Twitter heißt, hat vergangene Woche etwa das Hacker*innen-Kollektiv Anonymous so ein Verkehrschaos in Moskau angerichtet. Demnach wurde der wichtigste Taxiruf-Dienst Russlands angegriffen und zahllose Taxis zu ein und derselben Adresse beordert.

Angriffsziel: Yandex

Auf einer der Hauptstraßen Moskaus, der Kutusow-Prospekt, ist es am vergangenen Donnerstag zu einem langen Stau gekommen. Der Grund: Unzählige Taxis wurden zu ein und derselben Adresse gerufen.

Nur: Der Auftrag stammte nicht aus der Unternehmenszentrale. Stattdessen zeichnete sich das Hacker*innen-Kollektiv Anonymous dafür verantwortlich. Es hat das dadurch entstandene Chaos in einem Video auf Twitter veröffentlicht.

Darin ist zu sehen, wie die gelben Taxis auf mindestens zwei Spuren stehen und so den Verkehr verstopfen. Erreicht haben das die Hacker*innen, indem sie die Taxiruf-Funktion von Yandex angegriffen und möglichst viele Taxifahrer*innen zur selben Adresse beordert haben.

Yandex ist ähnlich wie Google eine Suchmaschine mit großem Marktanteil in Russland, die mit der Zeit viele weitere Funktionen integriert hat. Dazu gehört etwa der Taxiruf, aber auch ein Übersetzungstool, eine Navigationsseite, eine Mail-Lösung oder ein eigener Browser.

40 Minuten Stau

Wie der "Stern" schreibt, handelte es sich bei der Adresse, zu der die Taxis unterwegs waren, um das Radisson Collection Hotel, das auch "Hotel Ukraina" genannt wird. Wie viele Taxifahrer*innen am Ende vor Ort waren, ist nicht bekannt. Laut "Stern" war der bis zu zehnspurige Kutusow-Prospekt aber kurzzeitig vollständig gesperrt. Die Polizei musste eingreifen.

Auf Twitter schreibt Anonymous, das sich einen Tag später zu dem Angriff bekannte: "Moskau erlebte gestern einen stressigen Tag. Der größte Taxidienst in Russland, 'Yandex Taxi', wurde vom Kollektiv Anonymous gehackt. Im Zentrum Moskaus staute sich der Verkehr, als Dutzende Taxis zur selben Adresse am Kutusow-Prospekt geschickt wurden."

Nicht der erste Taxi-Hack

Auf der russischen Seite von "Forbes" meldete sich nach dem Vorfall auch ein Sprecher von Yandex zu Wort. Er sprach von einem 40-minütigen Stau in Moskau. Er versicherte, dass der Algorithmus zur Erkennung und Verhinderung solcher Angriffe bereits verbessert worden sei, um ähnliche Vorfälle in Zukunft zu verhindern.

Wie "Forbes" weiter schreibt, war das auch nicht der erste Hack, bei dem russische Taxis eine Rolle spielten. Im Juni erst seien Yandex und Uber angegriffen worden. Kund*innen konnten damals vorübergehend keinen der Fahrdienste in Moskau und der umliegenden Region rufen.

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