Strafprozess im Ticker - Boateng legt in Prozess offen, was er verdient - Anklage fordert Millionen-Strafe

Jerome Boateng (r), Fußball-Profi, steht im Landgericht neben seinem Anwalt Leonard Walischewski im Gerichtssaal.<span class="copyright">dpa</span>
Jerome Boateng (r), Fußball-Profi, steht im Landgericht neben seinem Anwalt Leonard Walischewski im Gerichtssaal.dpa

Schon dreimal hat sich ein Gericht mit den Gewaltvorwürfen von Jérôme Boatengs Ex-Freundin gegen den Fußball-Weltmeister befasst. Am heutigen Freitag geht der Prozess in München weiter. Hier lesen Sie alle Infos im Ticker.

  • FOCUS online berichtet aus dem Gerichtssaal in München

  • Die Protagonisten: Richterin Susanne Hemmerich, Verteidiger und Boateng-Anwalt Dr. Leonard Walischewski, Staatsanwältin Stefanie Eckert

Prozess gegen Jérôme Boateng im Ticker

13.46 Uhr: Dann beendet die Richterin die Verhandlung für heute und legt den Sitzungsbeginn für kommende Woche auf 11 Uhr fest. „Dann wieder im großen Saal“, sagt sie.

Boateng: „Muss mich jetzt einfach mal ausführlich verteidigen“

13.44 Uhr: Das letzte Wort hat Boateng. „Hohes Gericht, sehr geehrte Damen und Herren, ich schließe mich den Worten der Verteidigung an. Ich möchte mich einfach nur beim Gericht bedanken, dass sich endlich ein Gesamtbild gemacht wurde von diesem Vorfall. In der Vergangenheit ging es einigen in meinem privaten Umfeld nur darum, einen finanziellen Vorteil zu gewinnen. Da könnte ich jetzt mehr dazu sagen, aber so ist das Leben. Ich habe schon mehrfach gesagt, dass es mir leid tut und mich nicht als Opfer dargestellt, aber ich musste mich jetzt einfach mal ausführlich verteidigen. Dass das wieder als Angriff gewertet wird, finde ich komisch. Aber irgendwann ist es auch mal gut. Ich möchte mich auch nochmal entschuldigen, ich habe einen Fehler gemacht. Ich möchte mich vor allem bei meinen Kindern entschuldigen.“

13.41 Uhr: Die Einlassung der Verteidigung, man habe versucht, die Hauptverhandlung zu vermeiden, kritisiert die Anwältin scharf. „Da hieß es, dass man gegen Shirin S. noch einiges in der Hinterhand habe“, sagt sie. „Das Landgericht hat nun die Chance, das entsprechend zu würdigen.“

13.38 Uhr: Die Vorwürfe, Shirin S. habe die Anzeige nur erstattet, um Boateng ein Haus und Geld abzupressen, hält sie für abwegig und erklärt das deutlich.

13.36 Uhr: Sie stellt Shirin S. als glaubwürdige, verlässliche Zeugin dar, während Boateng sich oft nur schriftlich eingelassen „und sich der Befragung der Nebenklage und Staatsanwaltschaft entzogen“. Boateng habe sich zudem „mehrfach widersprüchlich und wechselnd“ geäußert. Wie das Hämatom am Auge der Shirin S. entstanden sein soll, bleibe bei Boatengs Schilderungen offen, sagt die Nebenklageanwältin.

„Echter David gegen Goliath-Kampf“

13.33 Uhr: Einen „echten David gegen Goliath-Kampf“ nennt die Anwältin das ‚Duell‘ zwischen Boateng und Shirin S. Boateng hatte gesagt, er habe bereits 800.000 Euro für seine Verteidigung ausgegeben. „Was soll dann Shirin S., sagen?“, fragt sie.

13.31 Uhr: „Der Angeklagte inszeniert sich hier in grotesker Weise als Opfer“, poltert die Anwältin von Shirin S. Es werde versucht, Shirin S. die Schuld daran, dass Boateng sie angespuckt, beleidigt und verletzt habe, unterzuschieben. „Ich kann hier bei aller Fantasie keine Opferrolle des Angeklagten erkennen.“

13.28 Uhr: „Der 1,92 Meter große, durchtrainierte Profisportler Boateng stellt die über 30 Zentimeter kleinere Shirin S. als Täterin dar“, sagt die Anwältin und versucht damit darzustellen, wie absurd das sei.

13.26 Uhr: „Er befeuert damit genau das, was er Frau S. vorwirft“, sagt sie über die Einbindung der Kinder des Ex-Paares in seine Verteidigung. Shirin S. habe das hingegen nicht getan und auch sonst keine Interviews gegeben, während der Prozess lief.

13.22 Uhr: „Mit seinem neuen Verteidigerteam, mit dabei der ehemalige Kommunikations- und Krisenberater der Gruppe Rammstein, hat er weitere Vorwürfe gegen Shirin S. erhoben“, poltert die Nebenklageanwältin und meint den zuvor schon angesprochenen PR-Berater. Dieser hatte auch Boatengs Kinder in einem RTL-Feature zu Wort kommen lassen bzw. deren Aussagen publik gemacht. „Diese und weitere Aussagen dienten nur dazu, Frau S. zu diskreditieren“, moniert sie.

Nebenklage: „Lehnhardt hat sich das Leben genommen und er sieht es immer noch nicht ein“

13.18 Uhr: Jetzt folgt das Plädoyer der Nebenklage. Sie kritisiert Boatengs Ablehnung einer Verständigung – Shirin S. habe sich eine Entschuldigung und ein Geständnis gewünscht, was Boateng mit Verweis auf sein Gewissen ablehnte. „Jetzt hat sich Kasia Lehnhardt das Leben genommen und er sieht es immer noch nicht ein“, sagt die Anwältin bezogen auf Probleme von Boateng mit Frauen. Auch die Aussagen von Boatengs Mutter, die die Aussage verweigerte, sieht sie kritisch – vor allem, dass sie diese zurückzog.

13.16 Uhr: 120 Tagessätze fordert die Staatsanwältin für den ersten Tatkomplex, 80 Tagessätze für den zweiten. „Ich beantrage daher eine Gesamtstrafe von 160 Tagessätzen zu verhängen“, sagt sie und möchte die Tagessatzhöhe auf 7000 Euro festsetzen. Das wären 1,12 Millionen Euro. Zudem sei Boateng die Kosten des Verfahrens und der Nebenklage aufzuerlegen, „mit Ausnahme der Kosten für das Revisionsverfahren“.

13.13 Uhr: Boateng versuche bereits seit Beginn des Prozesses, „die Geschädigte einzuschüchtern und sagt ihr, dass sie die Kinder nicht sehen dürfe, wenn das Verfahren nicht eingestellt wird“, berichtet Eckert. Als die Staatsanwältin berichtet, dass Boateng auch forciert habe, dass das Video, „auf dem Shirin S. offensichtlich betrunken und unangemessen knapp bekleidet“ war, gezeigt wird, schleicht sich ein kurzes Grinsen in Boatengs Gesicht.

13.10 Uhr: Nun spricht Eckert wieder über neue Daten im Fall Kasia Lehnhardt und poltert auch gegen die Richterin. „Dass ihr so etwas in 40 Jahren nicht passiert sei, nimmt die Staatsanwaltschaft mit Verwunderung zur Kenntnis“, sagt sie, als sie berichtet, dass Gegenstände auslaufender Ermittlungen dem Gericht nicht zur Verfügung gestellt würden. Auch die ständigen Angriffe des Gerichts moniert sie.

Staatsanwältin: „Bedauerlich“, dass Boateng nicht gestanden hat

13.07 Uhr: Dass Boateng nicht vorbestraft sei, spreche für ihn, der minder schwere Fall ebenso. „Dass sich der Angeklagte nicht zu einem Geständnis durchringen konnte, ist angesichts der Belastung für den Angeklagten, Shirin S. und ihre Kinder bedauerlich“, sagt Eckert weiter.

13.04 Uhr: Drei Monate bis fünf Jahre – das sei der Strafrahmen, den das Gesetz vorsehe, sagt Eckert, die einen minder schweren Fall annimmt. Den schwarzen Peter für die lange Dauer des Verfahrens will sich nicht zuschieben lassen, sagt aber, dass das für Boateng strafmildernd zu berücksichtigen sei. Dann geht sie auf die Boateng-Seite los und nimmt dessen PR-Berater ins Visier, der Boatengs Einlassung an Journalisten verteilt und in einem RTL-Feature mitgewirkt habe. Die Staatsanwaltschaft habe hingegen immer wieder Anfragen abgelehnt, sich nicht geäußert.

12.59 Uhr: „Eine Fahrlässigkeitstat scheidet hier aus“, sagt Eckert und ist überzeugt, dass sich Boateng der gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht habe. Shirin S. habe sich hingegen keiner Körperverletzung schuldig gemacht.

12.55 Uhr: Eckert skizziert weitere Zeugenaussagen aus dem Prozess und davor. Den Zeugen Christian M. nennt sie unglaubwürdig, was auch der Richter aus dem zweiten Prozess, so eingeschätzt habe. „Seine Aussagen haben immer wieder variiert“, sagt sie. Aussagen, die am vierten Prozesstag zur Verschwiegenheitsvereinbarung der Kasia Lehnhardt verlesen wurden, „gehören absolut nicht in diesen Prozess“, sagt sie weiter.

12.51 Uhr: „An der Glaubhaftigkeit von Shirin S. habe ich keine Zweifel“, betont Staatsanwältin Eckert. Dann spricht sie über die Aussage von Vanessa W. „Für mich hat auch sie glaubhafte Aussagen gemacht“, schlussfolgert sie, nachdem sie die Aussagen noch einmal zusammenfassend skizziert hatte. „Sie war bis zum Schluss sicher, dass es eine Kühltasche war, die gezielt geworfen wurde.“

Boateng sitzt bei Plädoyers völlig regungslos auf seinem Platz

12.49 Uhr: Boateng nimmt die Plädoyers bisher völlig regungslos hin – er zeigte bei dem seines Anwalts keine Regung und tut das auch jetzt nicht.

12.48 Uhr: „Anders als die Verteidigung sehe ich hier keine Probleme in der Aussagengenese“, sagt die Staatsanwältin und wirft der Verteidigung vor, „von Prozessbeginn an, ein Motiv für eine Falschaussage konstruieren zu wollen“. Für sie sei es nicht nachvollziehbar, dass Boatengs Seite von Beginn an ein Motiv der Nebenklägerin eingeführt habe, so Eckert.

12.44 Uhr: Dann kommt sie auf Boatengs Aussagen zu sprechen, dass er sich nur verteidigt habe, Shirin S. der aggressive Part in der Beziehung sei und sie schon öfter falsche Behauptungen erhoben hätte. Als „Schutzbehauptungen“ bezeichnet Eckert diese und nennt die Zeugin Shirin S. glaubwürdig. Einige Unklarheiten nennt sie „erklärbar. Dass sie sich zum Beispiel nach 6 Jahren nicht mehr erinnern kann, ob sie danach mit Boateng noch Geschlechtsverkehr hatte, ist durchaus normal.“

12.40 Uhr: Dann beschreibt die Staatsanwältin, wie sich der zu beurteilende Vorfall aus ihrer Sicht zugetragen habe. Boateng habe das Windlicht aus Glas gegriffen und in Richtung der Angeklagten bewegt. „Ob geworfen oder getreten spielt aus rechtlicher Sicht keine Rolle.“ Auch den Wurf der Kühltasche nimmt sie als wahr an, ebenso die Beleidigungen, die Boateng seiner damaligen Partnerin an den Kopf schmiss. „Hure, Fotze, Schlampe.“

Staatsanwältin kontert Boatengs Anwalt: „War nie Aufgabe der Staatsanwaltschaft“

12.36 Uhr: Nun darf die Staatsanwältin Eckert ihr Plädoyer halten. Auch sie gibt zu, dass das Verfahren durch die Berichte über die verstorbene Kasia Lehnhardt „eine neue Dimension“ bekommen habe. „Das Narrativ des Frauenschlägers Boateng war nie Aufgabe der Staatsanwaltschaft“, kontert sie die Vorwürfe des Verteidigers

12.23 Uhr: Auch der Podcast des „Spiegel“ wird als Kampagne gebrandmarkt, „die mit Herrn Boateng kurzen Prozess machen sollte“, so der Anwalt. Immer wieder schweift er ab und nennt Beispiele, die mit dem Prozess nichts zu tun haben. Dann beantragt er Folgendes: „Ich beantrage, dass der Angeklagte wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer moderaten Geldstrafe verurteilt wird.“ Dann wird die Sitzung für eine kurze Pause unterbrochen, um 12.35 Uhr geht’s weiter.

12.18 Uhr: Immer wieder zieht der Boateng-Anwalt die Aussagen von Shirin S. und Vanessa W. in Zweifel. Auch Nebenklage und Staatsanwaltschaft bekommen einiges ab. Als er von Nachweisen spricht, die Boateng in verschiedensten Fällen erbracht habe, begibt er sich aber auf eher dünnes Eis. Wie das Gericht das am Ende werten wird? Möglicherweise gar nicht.

„Narrativ des Frauenschlägers erfunden“: Boateng-Anwalt erhebt schwere Vorwürfe gegen Nebenklage

12.15 Uhr: Für ihn sei es falsch, dass die familienrechtlichen Details nicht ins Verfahren eingeführt worden seien, „sowohl in diesem Verfahren, als auch in erster und zweiter Instanz“, sagt Walischewski weiter. Er unterstellt der Nebenklage, dass sie „2019 das Narrativ des Frauenschlägers“ erfunden hätte. Es gebe bis heute keine Frauen, die behaupten würden, dass Boateng seit Jahren Frauen misshandle – sogar Shirin S. könne nur von diesem einen Vorfall berichten, poltert er.

12.11 Uhr: Provokationen, „existenzgefährdende“ mediale Vorverurteilung wegen des Fall Kasia Lehnhardts, Corona-Verzögerungen und der „unzumutbare zweite Prozess seien für ihn Grund genug, dass 60 Tagessätze, wie in erster Instanz verhängt, noch deutlich zu viel seien. „Ein Teil der Strafe muss als verbüßt gelten.“ Die Strafe dürfe maximal knapp sechsstellig sein, „wenn es gerecht ist, sogar deutlich darunter. Herr Boateng hat zudem durch die Prozesse Verluste in Millionenhöhe erlitten.“

12.08 Uhr: „Keiner der beiden ist unschuldig, jeder hat seinen Teil dazu beigetragen. Aber Frau S. hat angefangen“, sagt Walischewski weiter und lenkt den Fokus wieder auf die Nebenklägerin. Maßgeblich sei, ob Boateng die Shirin S. verletzten wollte oder es billigend in Kauf nahm oder eben nicht.

12.05 Uhr: Als „Folgen einer Rangelei“ bezeichnet der Boateng-Anwalt das Geschehen. Auch die Staatsanwaltschaft kritisiert er, weil sie der Zeugin Glauben schenkte und diese dabei auch „immer wieder mit anderen Aussagen durchkam“. Ob ein Urteil bei wechselseitigen Beleidigungen und Verletzungen notwendig sei, zweifelt er an. Das obliege dem Gericht, er halte es aber nicht für sinnvoll.

12.02 Uhr: „Die Berufungen der Staatsanwaltschaft und der Nebenklage sind als unbegründet zu verwerfen“, sagt Walischewski. Anders sehe es bei der Verletzung aus, die sich Shirin S. zugezogen habe – diese könne von Boateng laut Gutachten auch durch ein „reflexartiges Abwehrverhalten“ ausgelöst worden sein. „Der Zeuge ist das unzuverlässigste Beweismittel im Prozess“, ergänzt er und führt ausgerechnet das lange Zurückliegen des Geschehens als Argument für verblassende Erinnerungen an. „Irgendwann weiß niemand mehr, was seine Wahrnehmung und was Pressebericht ist.“

11.58 Uhr: Der Boateng-Anwalt zieht die Glaubwürdigkeit der Nebenklägerin Shirin S. und der Zeugin Vanessa W. in Zweifel und nennt dafür ein Beispiel nach dem anderen. Aus seiner Sicht könne das Gericht den Angaben, dass mit dem Windlicht oder der Kühltasche Körperverletzungen an Shirin S. begangen worden seien, keinen Glauben schenken. Zudem habe Shirin S. auch finanzielle Motive, was im Prozess klargeworden sei.

11.55 Uhr: Walischewski spricht von einer Aussagediskrepanz, die auch das Oberlandesgericht festgestellt habe und die sich auch in diesem Verfahren fortgesetzt habe. „Vanessa W. bestätigte immer erst auf Nachfrage, dass die Kühltasche geworfen wurde, konnte dann aber nie nähere Angaben machen“, moniert er.

11.51 Uhr: Nun geht er auf die Berufungen der Staatsanwaltschaft und Nebenklage ein. „Ihr Vorwurf der Körperverletzung oder sogar von zwei Körperverletzungen hat sich nicht bestätigt, deshalb ist der Angeklagte freizusprechen oder das Vorgehen nicht zu ahnden.“ Das Oberlandesgericht habe das Urteil des Landgerichts nicht nur wegen Rechtsfehlern aufgehoben, sondern auch weil die Beweise nicht ausreichten und weil die Aussagen von Vanessa W. und Shirin S. zum Windlicht und zur Kühltasche nicht übereinstimmten.

11.48 Uhr: Gegen Frau S. könne man jedoch dieselben Vorwürfe erheben, fügt der Boateng-Anwalt an und geht weiter auf die „schwierige Persönlichkeit“ der Shirin S. ein. Sie habe es „genau auf einen solchen, völlig sinnlosen Streit angelegt“, sagt er. Hätte sie das nicht getan, hätten sich weder Boateng noch Shirin S. verletzt. „Vorhersehbar“ nennt er diesen Streit.

11.45 Uhr: Die Richterin ist zurück und erteilt dem Verteidiger Walischewski das Wort. „Nach dem Ende der Hauptverhandlung steht fest, dass sich Herr Boateng hat provozieren lassen, obwohl er wusste, was Frau S. für ein schwieriger Charakter sei. Es steht fest, wäre Herr Boateng im Bungalow geblieben, es zu keiner Auseinandersetzung gekommen sei und er sich nicht gegen den Angriff von Frau S. wehren hätte müssen.“

Beweisaufnahme geschlossen - gleich folgen die Plädoyers

11.28 Uhr: „Kann ich dann die Beweisaufnahme schließen?“, sagt die Richterin. Kein Widerspruch. Dann kündigt die Richterin an, dass sie heute kein Urteil sprechen wolle. „Um 15.30 Uhr geht auch mir die Kraft aus“, sagt sie. Bis 11.45 Uhr ist unterbrochen.

11.25 Uhr: Was er in Linz ungefähr monatlich verdiene, wird Boateng gefragt. „Ungefähr 30.000, zwei Jahre Vertrag“, sagt er. Für seinen Sohn, der bei seiner Mutter lebe, zahle Boateng rund 1600 Euro Unterhalt im Monat, an Shirin S. nichts mehr, die Vereinbarung lief aus. Zudem besitze Boateng Immobilien in Hamburg und Berlin, „aber noch keine Einnahmen, da der Bau schiefgegangen ist“. Dann sagt er, dass er in Berlin „etwa 25.000 Euro Mieteinnahmen im Jahr“ habe. Schulden habe er keine.

11.21 Uhr: Dann vermeldet die Richterin, dass Beweisanträge der Nebenklage zurückgezogen werden und kommt auf Boatengs persönliche Verhältnisse zu sprechen. „Realschulabschluss“, sagt Boateng. Da sei er schon Profi gewesen. Dann bittet die Richterin ihn, seinen Karriereverlauf darzustellen. Tennis Borussia Berlin in der Jugend, Profi bei Hertha BSC, dann HSV, Manchester City, zehn Jahre FC Bayern, Olympique Lyon für zwei Jahre, sieben Monate Vereinslosigkeit „von Sommer 2023 bis Februar 24. Dann war ich vier Monate in Italien und jetzt bin ich nach Österreich gewechselt, nach Linz“, sagt Boateng.

Boateng-Freund sagt aus: „Ich habe beide angeschrien, dass das nicht geht“

11.18 Uhr: Jimmy B. berichtet, dass sich sein Verhältnis zu Boateng deutlich abgekühlt habe, er beruflich und privat anders eingespannt sei und zudem in Hamburg lebe. „Es war für mich irgendwo gesünder, da einen Cut zu ziehen“, sagt er. Dann stellt die Richterin eine letzte Frage: Warum der Zeuge so ungern aussagen wolle. „Weil ich häufig auf Jerome Boateng reduziert werde, auch beruflich. Dieses Verfahren ist mit so viel Schmutz behaftet, ich hatte einfach Angst, dass mir das schadet. Mir fällt es auch heute nicht leicht, hier zu sprechen.“ Damit wird der Zeuge entlassen.

11.15 Uhr: Er habe häufiger Streit zwischen Boateng und Shirin S. schlichten müssen, sagt der Zeuge. „Sie hatten ein, tut mir leid, wenn ich das sage, miserables Beziehungsverhältnis“, sagt Jimmy B., aber er sei nie dabeigewesen, wenn Boateng sie geschlagen habe. Es sei „eine Schande, dass die so schlecht miteinander umgehen“, fügt der Zeuge an.

11.12 Uhr: „Da war kein Mensch“, sagt Jimmy B. zu einer Aussage der Zeugin Vanessa W., dass Boateng Shirin S. um das Auto gejagt habe. Der Name sage ihm nichts, aber gesehen könne diese den Vorfall nicht haben. Er sei sich sicher, dass niemand außer Boateng, Shirin S., ihm und seiner Frau auf dem Parkplatz gewesen sei.

11.10 Uhr: Dann stiegen alle aus dem Auto aus. „Herr Boateng hat geweint, ich habe beide angeschrien, dass das nicht geht“, sagt der Zeuge weiter. Dann hätten Shirin S. und Boateng sich angeschrien, es fielen Beleidigungen. Dann sei Frau S. hingefallen, wieder aufgestanden und dann verschwunden. Er sei ihr hinterhergegangen, habe sie aber nicht mehr gefunden. Boateng habe ihn und seine Frau dann zurück ins Hotel gefahren.

11.08 Uhr: Im Auto auf dem Parkplatz sei eine zuvor begonnene Diskussion weitergegangen. „Shirin S. ist dann lauter geworden, hat auf Herrn Boateng gespuckt und dann gab es einen Tritt ins Gesicht“, sagt der Zeuge aus. „S. hat sich mit beiden Händen an den Kopfstützen festgehalten und über das Handschuhfach dem Herrn Boateng ins Gesicht getreten. Das Bild werde ich nicht vergessen, das war außergewöhnlich.“ Was es für Schuhe waren? „Hohe Schuhe“, sagt der Zeuge. „Herr Boateng hat sofort geblutet, es gab zwei oder drei Tritte, aber die weiteren nach dem ersten hat Herr Boateng abgewehrt.“

11.05 Uhr: Nun soll Jimmy B. den Vorfall schildern, der sich nach dem Geburtstag von Shirin S. ereignete. Vor der Weiterfahrt zu einem anderen Club sei die Stimmung bei Frau S. schlechter geworden, berichtet er. „Eifersuchtsthemen“, nennt er das. Sie seien zu viert gewesen, Boateng, Shirin S., der Zeuge und dessen Frau.

11.02 Uhr: Der nächste Zeuge, Jimmy B., ist nun da – er ist ein Freund des Angeklagten. „Sie haben mit der Sache, die hier verhandelt wird, nichts zu tun“, beginnt die Richterin und fragt, wie er Boateng kennenlernte. Er sei Hotelpage in Hamburg gewesen, als Boateng dorthinwechselte, lernte dabei auch Shirin S. kennen und traf Boateng dann öfter, auch als er den Hamburger SV wieder verlassen hatte, berichtet der Zeuge.

Schon nach 20 Minuten unterbricht die Richterin den Boateng-Prozess

11.00 Uhr: Nachdem sie zuvor bereits kurz in den Saal gekommen, aber direkt wieder verschwunden war, setzt Richterin Hemmerich die unterbrochene Sitzung nun fort.

10.21 Uhr: „Jetzt haben wir ja 40 Minuten Zeit“, sagt Richterin Hemmerich und ordnet für einige Urkunden das Selbstleseverfahren an, bis der nächste Zeuge, Jimmy B., kommt. Die Richterin bittet die Staatsanwältin nochmal zu überlegen, ob zahlreiche Sprachnachrichten abgespielt werden sollen – einige dürften sowieso nicht öffentlich abgespielt werden, sagt sie. Die Sitzung ist bis 11 Uhr unterbrochen.

10.19 Uhr: Die Anwältin der Nebenklage löchert den Polizeimeister zu Details seiner Berichterstellung, dem Austausch mit den Kollegen und mehr. Wirklich viel kommt dabei nicht heraus – wenig später wird der Zeuge entlassen.

10.17 Uhr: Kurze Verwirrung um den Bericht, aus dem die Anwältin der Nebenklage zitiert – die Richterin hat diese nicht, findet sie aber wenig später in einer anderen Akte.

10.14 Uhr: Welches Verfahren gegen ihn gelaufen sei, wisse er nicht im Detail. „Ich weiß auch nur das, was sie mir gesagt haben und, dass es eingestellt worden ist“, sagt S. Die Nebenklageanwältin hält dem Zeugen vor, dass er den Bericht zu dem Vorfall am Folgetag geschrieben hat. Das sei üblich, erklärt dieser – auch weil er den Austausch mit dem Kollegen, der in der Boateng-Villa vor Ort war, abwarten wollte.

10.10 Uhr: „Eine Kommunikation zwischen den beiden Ex-Partnern ist kaum mehr möglich“, hatte der Polizeimeister vermerkt, hält ihm die Richterin vor. Und weiter: „Die Zeugin Shirin S. gab an, damit im laufenden Sorgerechtsstreit Druck auf Boateng ausüben zu wollen.“ Ob das korrekt sei, will Hemmerich wissen. „Wenn das da so steht“, erwidert der Polizeimeister.

10.07 Uhr: Es geht um ein Vorkommnis vom 24. August 2019 in Boatengs Haus in Grünwald – nun schildert S., was bei der Zeugenaussage auf der Wache passiert sei. Shirin S. hatte Anzeige erstattet, weil Boateng sie am Arm gepackt habe, wo sie zudem Abschürfungen erlitten habe. „Zunächst war nur die Rede von Beleidigung, dann ging es um Körperverletzung“, berichtet der Polizeimeister. Ursache war die Abholung der Kinder bei Boateng, die laut Shirin S. nicht wie vereinbart geklappt habe.

10.04 Uhr: Los geht’s stattdessen mit dem ersten Zeugen, dem Polizeimeister Sebastian S. aus Grünwald. Gegen ihn wurde ein Verfahren wegen versuchter Strafvereitelung eingestellt.

10.02 Uhr: Zunächst bestätigt die Richterin, dass Frau Boateng keine Angaben machen wird. Sie mache von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. „Was sie dazu bewegt, kann ich ihnen ehrlich gesagt auch nicht sagen.“

10.00 Uhr: Auch Richterin Hemmerich ist da, los geht’s!

09.59 Uhr: Boateng kommt eine Minute vor dem Start in den Saal und hat einige Zettel in der Hand.

09.50 Uhr: Langsam füllt sich der Saal, in dem heute verhandelt wird. Er ist kleiner als noch in den ersten Tagen des Prozesses und schon gut gefüllt - und stickig, weil erst vor etwa 5 Minuten ein (!) Fenster geöffnet wurde. Heiß kann es auch im Prozess hergehen, die Schlussplädoyers könnten heute bereits gehalten werden.

Freitag, 12. Juli 2024, 09.20 Uhr: Am heutigen Freitag verhandelt das Landgericht München weiter um Gewaltvorwürfe gegen Ex-Nationalspieler Jérôme Boateng. Es ist mittlerweile der vierte Prozess. Boateng hatte bereits 2021 eine Geldstrafe vom Amtsgericht München verhängt bekommen: 60 Tagessätze zu je 30.000 Euro, also insgesamt 1,8 Millionen Euro. Das Landgericht München I verurteilte Boateng dann im Oktober 2022 in zweiter Instanz wegen Körperverletzung und Beleidigung zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 10.000 Euro - insgesamt 1,2 Millionen Euro. Doch das Bayerische Oberste Landesgericht kassierte das Urteil wegen durchgehender Rechtsfehler.

Boatengs Ex-Freundin, die Mutter seiner zwei Töchter, wirft dem Fußballprofi vor, sie im gemeinsamen Karibikurlaub attackiert zu haben. Boateng bestreitet die Vorwürfe. Zuletzt war ein erneuter Verständigungsprozess zwischen Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Nebenklage, der zu einem früheren Prozessende hätte führen können, gescheitert.

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Boatengs Mutter verweigert Zeugenaussage

Donnerstag, 11. Juli 2024, 19.00 Uhr: Das Landgericht München I verhandelt an diesem Freitag (10.00 Uhr) weiter um Gewaltvorwürfe gegen Ex-Nationalspieler Jérôme Boateng. Im inzwischen vierten Prozess könnte sich das langwierige Verfahren nun dem Ende zuneigen. Die Vorsitzende Richterin Susanne Hemmerich hatte Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung aufgefordert, sich auf die Schlussplädoyers vorzubereiten.

Wenn es dazu kommt, könnte am nächsten Verhandlungstag in der kommenden Woche das Urteil fallen. Allerdings waren zuerst noch weitere Zeugen geladen, darunter Boatengs Mutter. Doch ein Sprecher des Oberlandesgerichts München bestätigt gegenüber „Bild“: Die Mutter des Fußballprofis wird doch nicht vor Gericht aussagen. Laut „Bild“-Informationen wird Frau Boateng von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen. Das steht ihr als Angehörige des Angeklagten zu.

Die Anschuldigungen, um die es im Kern geht, liegen Jahre zurück. Boatengs Ex-Partnerin wirft ihm vor, sie 2018 in einem gemeinsamen Karibikurlaub attackiert zu haben. Boateng hatte die Vorwürfe seiner Ex-Partnerin schon zu Beginn des neuen Verfahrens bestritten.

16.11 Uhr: Nach einem langen Prozesstag verliest Richterin Emmerich noch Zeugenaussagen zu einem Vorfall mit Kasia Lenhardt in einem Hotel in München zum Zeitpunkt des Oktoberfests 2019 und Boatengs wohl zeitgleichen Beziehungen zu verschiedenen Frauen. FOCUS online steigt hier für heute aus.

15.45 Uhr: Boatengs Ex ist von der Befragung entlassen und darf gehen.

15.27 Uhr: Der Kopfbiss durch Boateng habe sich nach der Befragung seiner Ex durch den Gutachter etwas relativiert, erklärt letzterer. So ein Biss sei einem Erwachsenen gar nicht möglich. „Ich bringe meine Zähne 50 mm auseinander. Dann tut es aber schon ganz schön weh.“ Seitlich am Kopf sei aber nicht auszuschließen. Da könnte ein Biss möglich sein.

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